Alle Artikel von Elisabeth Gräf

Verena Kast: Vorbild, Inspiration, Leserin unseres Buches

Die Autorin Elisabeth Gräf als Siebzehnjährige 1990 in Florenz 

Die Autorin dieses Blogs als Siebzehnjährige.

 

Manchmal schließen sich Kreise auf wunderschöne Weise.

1990, Gymnasium Maria Regina. Unsere Psychologie-Professorin kommt mit einem Stapel Bücher in die Klasse und stellt Fachliteratur vor; besonders jene, die in Psychologie maturieren wollen, suchen sich Bücher aus. Meine Wahl fällt auf „Mann und Frau im Märchen“ von Verena Kast.

Als Siebzehnjährige in wissenschaftliche Gedankenwelten einzutauchen, kann eine sehr coole Sache sein. Vor allem wenn die Literatur genau jene Gedanken in der Tiefe weiterverfolgt, die man als Heranwachsende gerade hegt. Bei mir war es jedenfalls so. Ich verschlang dieses und in der Folge weitere Bücher von Verena Kast. Ich begann, mich für C. G. Jungs Ideen zu begeistern. Und nach dieser Lektüre stand fest, dass ich in Psychologie maturieren würde.

2022, Roman und ich besprechen im Kaffeehaus die Erkenntnisse aus den Interviews für unser Buchprojekt „Zweierteams“. Vertrauen tritt als wichtiger Faktor für das Gelingen der Arbeit im Duo hervor. Ich recherchiere einige Bücher dazu, darunter: „Vertrauen braucht Mut.“ Die Autorin? Verena Kast. Beim Lesen zieht mich ihre Gedankenwelt sofort wieder in den Bann. Komisch, dasselbe Gefühl wie mit 17. Ich lese mich weiter ins Thema ein, aber unterm Strich sind es Kasts Erkenntnisse, die das Puzzle unserer Thesen perfekt ergänzen. Wir nehmen ihre Ideen in unser Kapitel über Vertrauen in Zweierteams auf, es macht Spaß, es zu schreiben, alles fügt sich so fein ineinander.

Ein Buch als Dankeschön

Die beiden Bücher Vertrauen braucht Mut und Zweierteams nebeneinander im Bücherregal2025, unser Buch ist endlich publiziert. Wir verschicken Belegs- und Rezensionsexemplare. Und wir denken: Vielleicht freut sich die mittlerweile über achtzigjährige Verena Kast ja auch über ein Dankeschön in Buchform? Ihre Gedanken haben zumindest mich nun dreieinhalb Jahrzehnte beeinflusst und begeistert.
Und nur wenige Tage später flattert ein E-Mail aus der Schweiz in mein Postfach: „Ihr Buch macht mir grosse Freude, und Ihr Begleitbrief ebenso. Danke, dass Sie es mir geschickt haben […] Es ist sehr schön gestaltet – ich habe es gerne in die Hand genommen – ich kann so schön darin herumschmökern und Anregungen aufnehmen. Vielen lieben Dank und viel Schaffensfreude weiter!“

Wir haben uns wahnsinnig gefreut. So etwas von einer Person zu lesen, die man schon so lange wertschätzt und deren Schaffenskraft man bewundert, ist einfach großartig. Danke, Verena Kast. Für viele tolle Bücher. Für zahlreiche erhellende Gedanken. Und für dieses E-Mail.

Wer nun Lust auf Psychologie-Lektüre hat: Hier geht es zu Verena Kasts Webseite.

Und hier geht es zu unserem Buch ZWEIERTEAMS.

Drei Tage ohne Leitung: Eine Lektion in Shared Leadership

Was passiert, wenn plötzlich die Führungsperson ausfällt? Wie geteilte Verantwortung in einer Gruppe ganz ohne Hierarchien möglich wird – und was es dafür braucht. Ein Erfahrungsbericht.

Menschen halten den RaumSchon vor einem Jahr hatte ich die einwöchige Fortbildung in Vokalimprovisation und stimmlichem Ausdruck gebucht. Da die Trainerin mit einem ganz eigenen Konzept durch Improvisation, Intuition und Stimme führt, sind ihre Kurse oft Monate im Voraus voll.

17 Personen aus Deutschland und Österreich fanden sich Anfang Februar in einem Seminarhotel ein, um an sieben Kurstagen die eigene Stimme, ihre Ausdrucksmöglichkeiten sowie das gemeinsame improvisierte Musizieren zu erforschen.

Am zweiten Tag, wir standen gerade am Kaffeepausen-Büffet, sahen wir die Rettung vorfahren. Wir blickten uns um: alle Teilnehmer:innen da – super, niemand von uns! Dass unsere Kursleiterin J. fehlte, war uns nicht aufgefallen; sie zog sich in den Pausen gern zurück. Als sie danach nicht wiederkam, erfuhren wir: Notfall, Operation am nächsten Morgen, Rückkehr vielleicht am übernächsten Tag – oder nicht.

Wir empfingen diese Nachricht im Seminarraum. Spontan bildeten wir einen Sitzkreis und schwiegen. Schock. Irgendwann ergriff eine das Wort: „Vielleicht möchten wir uns kurz darüber austauschen, wo wir jetzt stehen: Wir sind jetzt hier – ohne J.“

Shared Leadership: Geteilte Ziele und Respekt voreinander

Nach und nach kamen kurze Wortmeldungen. Bald wurde klar: Wir teilen nicht nur ein Ziel, sondern vertrauen einander – und darauf, dass wir diesen Nachmittag und den kommenden Tag ohne Leitung hinbekommen. Wir wussten, dass alle viel Erfahrung aus ähnlichen Kursen mitbrachten, und wir hatten Respekt vor den Kompetenzen jeder und jedes Einzelnen. Und was nicht ganz unwichtig war: Irgendwann fiel der Satz: „Bevor wir etwas ewig diskutieren und zerreden, möchte ich lieber singen.“ Spontaner Applaus.

Als erste Vorschläge aus der Runde jener kamen, die selbst Workshops geleitet hatten, schnappte sich eine Teilnehmerin Moderationskarten und notierte die Ideen. Eine andere heftete sie an die Wand. Wieder eine andere schlug vor, die Reihung der Wortmeldungen selbst mit Fingern anzuzeigen – so brauche es keine Moderierende. Als einige Vorschläge hingen, fragte jemand, ob es angesichts der verbleibenden Zeit noch weitere Ideen brauche. Alle verneinten.

Wir wollten zumindest eine Übung in der großen Gruppe machen, um uns als nun leitungsloses Team noch einmal zu spüren. Für die Auswahl gab es drei Vorschläge, über die wir demokratisch abstimmten; eine Person fragte anschließend noch nach Widerständen. Sicherheitshalber.

Danach bildeten wir – angesichts der Vielfalt der Themen – Kleingruppen nach Vorlieben. Wer eine Gruppe initiieren wollte, legte eine Moderationskarte auf den Boden. Sechs lagen aus, zu vier Themen fanden sich genügend Leute. Spontan beschlossen zwei Gruppen, die herrenlosen Themen noch mitaufzugreifen. Wir fanden ein für alle passendes Zeitfenster für den späteren Austausch. Eine Teilnehmerin notierte Zeiten, Räume und Themen auf einem Flipchart. Währenddessen erstellte eine andere eine Signal-Gruppe, damit wir uns auch außerhalb der Kurszeiten oder bei neuen Informationen austauschen konnten.

Am Abend kamen wir zur Nachbesprechung zusammen. Erstaunt stellten wir fest, wie gut sich die Gruppe selbst organisiert hatte. Und dass wir angesichts der zusätzlich übernommenen Aufgaben auch ganz schön müde waren. Leiten ist Arbeit, auch und vielleicht sogar gerade, wenn man sie teilt. Wir konnten das gemeinsam würdigen – und beschlossen, gut auf unsere Ressourcen zu achten.

Dieses Zusammentreffen von Achtsamkeit, Kompetenzen und gegenseitigem Respekt, der Wunsch jedes Gruppenmitglieds, etwas beizutragen und zugleich das gemeinsame Ziel weiterzuverfolgen, sowie das Vertrauen in die Gruppe und in uns selbst trugen uns durch die kommenden drei Tage. So lange dauerte der Spitalsaufenthalt der Leiterin.

Was diese drei Tage sichtbar machten

Die Organisationsforschung beschreibt das, was wir erlebt haben, als Shared Leadership: Führung entsteht situativ, Verantwortung wird geteilt, und Kompetenz ist wichtiger als eine Hierarchie-Position. Bemerkenswert ist allerdings nicht, dass es überhaupt funktionierte, sondern warum:

  • Ein gemeinsames Ziel gab Orientierung.
  • Vertrauen ersetzte Kontrolle.
  • Hohe Kommunikationskompetenz, Reflexionsfähigkeit und Achtsamkeit der Teilnehmer:innen verhinderten Machtkämpfe.
  • Verantwortung wurde einfach übernommen statt erwartet oder delegiert.
  • Unsicherheiten durften geäußert werden, aber der gemeinsame Raum, der gemeinsame Rahmen blieb sicher.

Shared Leadership entsteht nicht durch das Implementieren einer neuen Struktur, etwa durch flache Hierarchien oder rotierende Moderation. Es entsteht, wenn Menschen Verantwortung teilen können. Für Teams und Organisationen bedeutet das: Selbstorganisation ist kein Tool, das man einfach anwendet, sondern sie hängt von der Reife eines Teams ab. Die Qualität der Zusammenarbeit in einem Team zeigt sich besonders dann, wenn Führung (plötzlich) fehlt.

Gleichzeitig wurde in unserem Fall deutlich: Leitung ohne fixe Struktur, Entscheidungen, die von einer großen Gruppe immer wieder neu getroffen werden müssen, kosten Energie. Auf Dauer sind Strukturen, ob sie nun Abläufe oder Rollenverteilungen betreffen, oft sinnvoll, um Ressourcen zu sparen.

Die Basis für geteilte Verantwortung: Vertrauen und Kommunikationsfähgigkeit

Wer Zusammenarbeit gestaltet, Kurse leitet, Workshops moderiert oder Teams begleitet, arbeitet letztlich an genau diesen Voraussetzungen: Vertrauen, Beteiligung, Kommunikationsfähigkeit und der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Und vielleicht liegt darin die eigentliche Erkenntnis: Eine Gruppe, die Verantwortung teilen kann, funktioniert auch unter klarer Leitung besser. Führung wird dann nicht ersetzt, sondern getragen. Entscheidungen müssen nicht erkämpft werden, Moderation nicht gegen Widerstände arbeiten, Verantwortung nicht eingefordert werden.

Gute Leitung schafft den Rahmen. Entwickelte Teams bzw. reife Gruppen mit den oben genannten Skills füllen ihn und tragen die Führung mit  – mit oder gegebenenfalls auch ohne anwesende Führungsperson.

→ Übrigens: Wie man sich als kleines Team ohne Führung gut koordiniert, die Zusammenarbeit verbessert und Konflikte löst, zeigen wir in unserem Buch Zweierteams. So gelingt Jobsharing und das Arbeiten zu zweit. Es ist überall im Buchhandel bestellbar und auf Amazon als Taschenbuch sofort lieferbar.

Wir arbeiten auch gern mit Ihrem Team!

Gutes Betriebsklima beginnt bei der Führung

Als Trainer:innen kommen wir in viele Unternehmen und Organisationen. Sehr schnell spüren wir, ob das Betriebsklima gut oder schlecht ist. Und fast immer hat es mit der Führung zu tun.
Ein gutes Betriebsklima ist genauso wichtig, wie ein gutes Raumklima.
Dieses Ei erkennt schlechtes Raumklima, wir erkennen schlechtes Betriebsklima.

Was muss passieren, damit ich nach einem Tag als Trainerin denke: „Wäre ich nicht selbständig, würde ich in diesem Unternehmen und in diesem Betriebsklima gerne arbeiten!“?

Gestern war genau so ein Tag – und Anfang Jänner bei einem anderen Unternehmen. Ich ging am Abend ebenso positiv und zufrieden aus dem Training wie die Teilnehmer:innen. Was hatten die beiden – sehr unterschiedlichen – Organisationen gemein? Nun, einmal saß der Geschäftsführer mit seinem Team im Training, das andere Mal ließ man uns nach einem Seminar für die Mitarbeiter:innen ein passendes Workshopdesign für Geschäftsführung und Leitungsteam entwerfen. Die Begründung: „Meine Sekretärin hat so von Ihrem Seminar geschwärmt, da wusste ich, das will ich auch für mich und meine Führungskräfte.“

Kluge Führunskräfte

Was heißt das? Beide Geschäftsführer gingen davon aus, dass sie ebenso Neues im Training erfahren können wie ihre Mitarbeiter:innen. Sie vertrauten dem Feedback der Teilnehmer:innen. Und sie wussten, dass es schlau ist, wenn alle, unabhängig der Hierarchie-Ebenen, dasselbe kommunikative Wissen teilen.

Diesen Spirit spüren wir auch in unseren Seminaren. Teilen alle Teilnehmer:innen ihre Erfahrungen – auch die schwierigen? Gibt es die Motivation, das Gelernte umzusetzen oder seufzen sie, dass das „von oben sicher nicht erwünscht“ ist? Trauen sich die Mitarbeiter:innen im Training Fehler zu machen? Stellen sie angstfrei Fragen? Haben sie den Mut, Neues auszuprobieren?

Die besten Trainings finden nicht mit jenen statt, die meinen, alles zu wissen, sondern dann, wenn die Teilnehmer:innen, auch oder gerade bei sehr viel Vorwissen, noch besser werden wollen und angstfrei lernen dürfen. Stimmt das Betreibsklima im Team, fällt ein Seminar auf besonders fruchtbaren Boden. Und kluge Führungskräfte wissen: Ein gutes Unternehmensklima beginnt beim Kopf.

Wertschätzendes Betriebsklima

Konstruktives Kommunizieren, sei es intern, etwa in Feedback-Gesprächen, sei es in Verhandlungen mit Stakeholdern, bei Moderationen oder bei Präsentationen für Kund:innen, gehört zu einem guten Unternehmensklima dazu. Wird intern wertschätzend und klar auf allen Hierarchie-Ebenen kommuniziert, überträgt sich das auf die Mitarbeiter:innen.

Meine Glückwünsche gehen daher an alle Führungskräfte, die genau dafür sorgen und nicht nur ihr Team schulen, sondern darauf schauen, dass sich gute Kommunikation auch organisationsintern und auf allen Ebenen durchsetzt. Und die die eigene Ebene mitdenken. Genau das ist integrierte Kommunikation und genau das sorgt für ein gutes Betriebsklima.

Nach dem gestrigen Seminartag gehe ich beschwingt und zufrieden in die restliche Woche. Denn wir freuen uns immer sehr, wenn wir Unternehmen auf diese Art unterstützen dürfen.

#führung #konstruktivkommunizieren #motivation #betriebsklima #integriertekommunikation

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Vielleicht können wir etwas zur Verbesserung Ihres Betriebsklimas tun. Hier finden Sie unsere Angebote.

Von Aristoteles lernen

AristotelesManche Erkenntnisse haben Bestand. Schon vor etwa 2.400 Jahren erkannte der griechische Philosoph Aristoteles, was eine gute Rede braucht: Logos, Pathos und Ethos. Das sollten Vortragende beherzigen.

Heuer besteht Wort & Weise 15 Jahre. Als wir gründeten, besuchten wir einige Workshops der WKO für angehende Selbständige. Folie reihte sich an Folie, die Inhalte schienen unerschöpflich. Woran ich mich erinnere? An einen einzigen Vortragenden, der erst vom Kunden-Trichter sprach, den man immer neu befüllen müsse, und dann erklärte, die Selbständigkeit gestalte sich wie ein ständiger Bergaufstieg, es gehe stetig bergauf und man dürfe nicht stehenbleiben. Aber man käme eben immer höher. Dazu lieferte er Bilder – und er ergänzte, als passionierter Kletterer und Bergsteiger könne er bei aller Mühsal die Schönheiten einer solchen Anstrengung – sei es nun bei einem Aufstieg oder in der Selbständigkeit – genießen. Warum erinnere ich mich an diesen Vortrag? Nun, er war authentisch, glaubwürdig und lieferte passende Bilder, ohne die Realität schön zu färben.

Wenn uns eine Präsentation überzeugt, sind es selten die perfekt aufbereiteten Daten oder die Masse aufwändig gestalteter Folien, die im Gedächtnis bleiben. Wir glauben der Person, wenn wir eine gewisse Stimmigkeit spüren, die eben nicht nur rational begründet ist. Überzeugung speist sich nicht nur aus dem Verstand, es mischen Gefühl und Vertrauen mit. Greifen diese drei ineinander, werden wir berührt, können wir dem Gegenüber leichter Glauben schenken.

Ethos Logos PathosDiese Erkenntnis ist nicht neu. Was heute groß mit Storytelling umworben wird, hat im Grunde schon Aristoteles gewusst. Er nannte die drei Säulen der Überzeugung so: Logos, Pathos und Ethos. Und sie sind heute so aktuell wie damals.

Logos – die Kraft der Argumente

Logos steht für die logische Argumentation. Das bedeutet, es braucht:

  • eine klare Struktur, der die Zuhörenden folgen können,
  • verständliche Sprache,
  • Fakten statt Meinungen und
  • Argumente, die eine bestimmte Ordnung aufweisen.

Logos ist sozusagen der Plan für den Weg auf den Berg, der Kompass. Die Grundlage, dass Menschen dem Weg folgen können. Im Fall des oben erwähnten Vortrags waren das die Fakten, Charts und wissenschaftlichen Grundlagen, die die Basis der Erzählung bildeten.

Pathos – die Kraft der Emotion

Pathos bedeutet, eine emotionale Verbindung, Nähe zum anderen herzustellen. Es bringt die Argumente zum Leuchten, zum Beispiel so:

  • kleine persönliche Anekdoten, die Nähe schaffen,
  • „großes“ Storytelling mit all seinen Gestaltungstools
  •  eine Sprache, die Bilder und Emotionen erzeugt,
  • rhetorische Stilmittel, die die Inhalte kurz, klug und kämpferisch oder witzig, wirkungsvoll, wortgewandt (man entdecke hier jeweils eine Alliteration und eine Dreierfigur) in Worte gießen

Im Beispiel oben: das Bild des Berges, des mühsamen Aufstiegs als Metapher für die Selbständigkeit, gepaart mit eigenen Anekdoten, die der Vortragende ebenfalls parat hatte, um die Fakten zu untermauern.

Ethos – die Kraft der Glaubwürdigkeit

Die schwierigste Kategorie. Ganz ehrlich, ich weiß zwar, wie Aristoteles sie meint, aber ich verstehe nicht, warum offenbar so wenige Menschen Wert darauf legen oder sich dennoch verführen lassen und Menschen glauben, die ihnen ganz offensichtlich etwas vorspielen.

Wie auch immer: Ethos meint jedenfalls Authentizität. Glaubwürdigkeit. Kongruenz.

Aristoteles weiß: Wir glauben Menschen eher, wenn sie Vertrauen ausstrahlen. Dieses Vertrauen kann man nach außen tragen: durch das Vertreten bestimmter Werte einerseits, andererseits aber durch das eigene Auftreten, die Haltung und die Art zu sprechen.
Passen die innere Haltung und das Auftreten nach außen zusammen, entsteht Kongruenz. Und diese erzeugt beim Gegenüber ein gutes Gefühl: Glaubwürdigkeit.

Im Fall „meines“ Vortragenden war dies, dass er ebenfalls schon länger selbständig arbeitete, von den Mühen sprach, ohne zu beschönigen, und das Bild des Bergaufstiegs zusätzlich stimmig war, weil er ja selbst begeistert kletterte und auf Berge ging.

Was bedeutet das für uns heute?

Aristotels´ Geburtsort Stageira
Die Autor:innen dieses Textes waren übrigens im Jahr 2014 in Stagira, Chalkidiki, dem Geburtsort von Aristoteles.

Aristoteles war ein kluger Mann. Seine Prinzipien gelten bis heute. Argumente (Logos) ohne Glaubwürdigkeit (Ethos) zerfallen zu Staub. Ohne Emotionalität (Pathos) verkümmern sie im Dunkeln.

Wer im Gespräch oder bei einer Präsentation authentisch sein und strahlen möchte, muss sich auf allen drei Ebenen gut vorbereiten:

  • Ethos: die eigene Rolle klären und eine klare innere Haltung entwickeln; wissen, warum man hier steht und dieses oder jenes Argument hat.
  • Logos: den Aufbau strukturieren und die Argumentation gezielt aufbauen. Solche Fragen helfen: Was soll nachher anders sein? Welche Fakten stützen meine Kernbotschaft?
    Und wie baue ich meine Argumente auf? Passenderweise hat Aristoteles auch Argumentationsstrukturen entwickelt, etwa den Dreisatz und den Fünfsatz, die beim Strukturieren helfen können.
  • Pathos: nach Möglichkeiten suchen, wie man das Publikum oder das Gegenüber emotional erreichen kann: durch richtiges Zuhören, bestimmte Stimuli, die eigene Begeisterung, einen bildhaften Vergleich, eine Anekdote oder gar eine ganze Geschichte?

Und dann darf natürlich bei aller Vorbereitung eines nicht fehlen: sich selbst und dem Moment zu vertrauen. Glaubwürdig sein heißt auch bei sich zu bleiben, im Moment. Nicht alles auswendig runterzuratschen. Sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen.
Hat man die drei Säulen des Aristoteles aber in der Vorbereitung berücksichtigt und konkret umgesetzt, wird das kaum je passieren.

Kommunikation im Team verbessern: Warum wir Verantwortung übernehmen sollten

Eine Liste der GfK-BedürfnisseWie eine bedürfnisorientierte Perspektive Konflikte reduziert – und den eigenen Handlungsspielraum erweitert

Kennen Sie das? Es gibt noch einiges zu tun – und der innere Widerstand ist groß:
„Ich muss diese Woche die Arbeiten korrigieren.“
„Ich muss diesen Monat die Steuererklärung machen.“
„Ich muss heute Abend noch einkaufen.“
Solche Sätze stimmen zwar vielleicht, weil wir diese Dinge weder verschieben noch delegieren können, aber sie belasten uns. Dann fühlen wir uns eingeengt, in unserer Autonomie eingeschränkt: Wir tun etwas, obwohl wir es scheinbar  nicht wollen – und leiden darunter. Unsere innere Haltung ist im Widerstand. Sie beeinflusst auch unsere Kommunikation. Und genau hier beginnt im Team oft ein Konflikt.

Verantwortung im Team: Warum Vorwürfe die Zusammenarbeit belasten

In unserem Buch „Zweierteams. So gelingt Jobsharing und das Arbeiten zu zweit“ zeigen wir, welche Faktoren erfolgreiche Zusammenarbeit ausmachen – und woran sie scheitern kann.
Ein häufiger Stolperstein in der Teamkommunikation ist das Verschieben von Verantwortung: „Ich würde ja X, aber weil du Y willst, muss ich jetzt auch Y machen.“
Auf Dauer führt diese Perspektive nicht nur zu eigener Unzufriedenheit, sondern sie vergiftet, selbst wenn sie nicht ausgesprochen wird, die Kommunikation. Der innere Druck baut sich zu Vorwürfen auf, was sich wiederum auf die Verbindung im Team auswirkt.
Die Zusammenarbeit leidet – selbst wenn der Konflikt nie offen ausgesprochen wird.

Die Verantwortung zurück zu sich nehmen

Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen heißt nicht nur, den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern, sondern eine Grundvoraussetzung, um konstruktiv zu kommunizieren. Oft verschieben wir die Verantwortung für unangenehme Aufgaben an eine andere Autorität. Aber was wäre, wenn wir eine eigene Motivation finden, warum wir etwas tun? Was passiert, wenn wir die Perspektive ändern? Wenn wir  auf die Frage, warum wir etwas tun, eine Antwort finden, die ganz bei uns liegt?

Statt zu fragen: Wer zwingt mich dazu?, fragen wir: Welches Bedürfnis erfülle ich mir damit?Denn wenn wir etwas tun, wofür wir innerlich vorerst kein Ja spüren, hilft oft ein Blick auf unsere Bedürfnisse – verstanden im Sinn der Gewaltfreien Kommunikation.

Beispiele:

  • Mache ich die Steuererklärung, weil „der Staat so böse ist“ –
    oder weil ich mir damit das Bedürfnis nach Selbstbestimmung als Selbständige erfülle?
  • Gehe ich einkaufen, weil „es sonst keiner macht“ –
    oder weil ich damit für mich bzw. meine Familie gut sorgen möchte?
  • Korrigiere ich Arbeiten, weil „die Institution es verlangt“ –
    oder weil ich damit zum Lernen und Wachstum der Schüler:innen oder Studierenden beitrage? Oder weil ich für mich für Struktur sorge, wenn ich den Punkt auf meiner Agenda abhaken kann?

Finden wir eine innere Motivation, verschiebt sich Entscheidendes, und die Sache fühlt sich  gleich ganz anders an. Die Verantwortung liegt bei uns. Wir entscheiden. Es lohnt sich, dem etwas genauer nachzugehen. Denn damit erweitern wir auch unseren Handlungsspielraum im Team und können konstruktiv kommunizieren.

Bedürfnisse klären – Verbindung stärken: Der Schlüssel zu konstruktiver Kommunikation

Wer seine Bedürfnisse kennt, kann klarer kommunizieren. Und wer klar und bedürfnisorientiert kommuniziert, vermeidet viele Konflikte im Team.
Deshalb widmen wir ins unserem Buch ein ganzes Kapitel dem Thema Bedürfnisse: Wer weiß, was er oder sie wirklich braucht, kann es auch klarer kommunizieren. Diese innere Klarheit verbessert die Zusammenarbeit enorm.

Zur Unterstützung haben wir ein Arbeitsblatt entwickelt, das Sie hier kostenlos herunterladen können. Es eignet sich sowohl zur Einzelarbeit als auch für Zweierteams und kleine, selbstorganisierte Teams ohne Führung.

Drei Reflexionsfragen für bessere Kommunikation

Überprüfen Sie sich mit diesen drei kurzen Fragen selbst:

1. Suche ich Schuld und Verantwortung beim Gegenüber? Oder übernehme ich Verantwortung für mein Handeln und auch meine Gefühle selbst?

2. Was steckt wirklich hinter meinem Widerstand? Was brauche ich wirklich?

3. Wie kann ich mein Anliegen klar formulieren, indem ich etwas über mich aussage und nicht über das Gegenüber (Nicht: Du hast schon wieder … ! Warum kannst du nicht endlich …!, sondern: Damit wir das lösen, brauche ich … )

Wenn Sie tiefer einsteigen möchten:  In  Zweierteams. So gelingt Jobsharing und das Arbeiten zu zweit zeigen wir anhand von zwölf realen Beispielen und zahlreichen Übungen, wie Kommunikation, Vertrauen und das Finden gemeinsamer Ziele in kleinen Teams gelingen.

Angebote für klare Kommunikation und gute Gespräche

Angebote zu Kooperation und Kommunikation für kleine Teams

Umgang mit KI: Visionen aus der Jugendliteratur

Die einen verehren, die anderen verteufeln sie. Alle verwenden sie. Aber wie gehen wir mit der Künstlichen Intelligenz um? Und was macht uns als Menschen aus? Und können wir aus einem Jugendbuch des vergangenen Jahrhunderts etwas lernen?

Elisabeth liestImmer wieder staune ich über die Fähigkeit von Literatinnen und Literaten, gesellschaftlichen Phänomenen auf der Ebene einer gefühlten (und nicht errechneten oder beobachteten) Realität eine Sprache zu verleihen. Sie finden Bilder, Metaphern und Worte für Dinge, die wir oft spüren, aber nicht wirklich – noch nicht oder nicht mehr – erfassen oder begreifen können. Es geht nicht um prophetische Gaben, sondern ein tiefes Empfinden und An-die-Oberfläche-Bringen von Phänomenen, von menschlichen Stärken und Schwächen im Umgang mit bisher ungekannten Herausforderungen. Jenseits einer Diagnose ermöglichen sie uns, in diese Welt der gefühlten Realität einzutauchen und so nicht selten zu einem A-ha-Erlebnis und einer tieferen Form der Erkenntnis zu gelangen.

Die Zeitfalte schafft den Sprung in die Gegenwart

In ihrem 1962 erschienen Roman „die Zeitfalte“(heute erhältlich unter dem Titel „das Zeiträtsel“, im Original: „A Wrinkle in Time“) beschreibt die US-amerikanische Autorin Madeleine L’Engle eine Macht, die in Menschen eindringt und ihnen weismacht, ihnen alles abnehmen zu wollen. Dieses so genannte „Es“ entwickelt eine Art Sog, der so groß ist, dass die meisten Menschen ganz von selbst ihren freien Willen aufgeben und sich dem Rhythmus und den Vorgaben von „Es“ unterordnen. Diese Macht, die L’Engle als durch und durch böse beschreibt, entbindet die Menschen jeglicher Verantwortung und verhilft ihnen, so sagt es, zu ständiger Harmonie. Natürlich versteht sich die Macht selbst nicht als böse, auch wenn sie Menschen, die sich nicht von selbst fügen wollen, bekämpft oder umerzieht (denn sie tut es ja „zu ihrem Besten“.) Das „Es“ kann Menschen regelrecht aussaugen, L’Engle bezeichnet dessen Untergebenen als willenlose „Puppen“, die alle dasselbe tun und die keinerlei freien Willen mehr haben. Da das „Es“ viel mehr Wissen hat als jeder noch so kluge Mensch, lässt sich schließen, dass es durch den Zugriff auf seine Untergebenen auf das gesamte Wissen der von ihm beherrschten Menschen verfügt. Das geht auch aus der Art, wie der Prozess dieser Verbindung mit dem „Es“ im Roman beschrieben wird, hervor.

Parallelen zur Künstlichen Intelligenz

Fällt Ihnen hier irgendeine Parallele auf? Liest man das Buch im Jahr 2025 und hat sich ein wenig mit den heutigen Funktionsweisen von KI auseinandergesetzt, kann man sich gegen die Assoziation des „Es“ mit KI kaum wehren. Zumindest mir ging es so. Fun Fact: Das „Es“ hat die Gestalt eines großen, pulsierenden Gehirns. Was für eine Metapher.

Coverbild ZeifalteAuch wenn recht offensichtlich ist, dass L’Engle bei der Beschreiben der vom „Es“ totalitär regierten Gesellschaft, die im Gleichklang agiert und keinen freien Willen zulässt, den Sowjetkommunismus in der Zeit des Kalten Krieges vor sich hatte und diesem wohl das Ideal der Freiheit in den USA gegenüberstellen wollte, tun sich unvermeidlich Parallelen mit der gegenwärtigen Gesellschaft und ihrem unreflektierten Umgang mit einer scheinbar allwissenden und uns angeblich ausschließlich hilfreich unterstützenden künstlichen Intelligenz auf.

Denn was ist das „Es“? Eine Art übermächtiges Bewusstsein, ein energetisch pulsierendes, kontrollierendes Gehirn. Es hat kein Gefühl – schon gar kein Mitgefühl –, aber es lockt damit, Ordnung und Effizienz zu bringen. In L’Engles Welt bedeutet das Gleichschaltung sowie den Verlust von Individualität und Freiheit – aber auch von Kreativität und freiem Willen. Denn auf dem Planeten, auf dem besagtes „Es“ regiert, gibt es bei den Kindern kein freies Spiel mehr, die Menschen gehorchen einem System, alles ist vorgegeben. Für selbständiges Schaffen ist kein Platz.

„Ich möchte […] nicht, dass die KI meine Kunst und mein Schreiben erledigt, damit ich meine Wäsche und den Abwasch machen kann.“
Kennen Sie diesen Spruch der polnisch-irischen Kunstschaffenden Joanna Maciejewska? Er ging 2024 auf Social Media viral. So viele kreative Möglichkeiten die unterschiedlichen KI-Tools bieten – sie schränken unsere Kreativität auch ein. Denn wo bleibt unsere intrinsische Motivation, einen Text zu verfassen, wenn wir wissen, dass die KI dies oft besser, mit mehr Hintergrundwissen und natürlich auch effizienter erledigen kann? Warum selbst mühsam eine Illustration anfertigen, wenn mir ein Bildbearbeitungstool mit der Funktion „Skizze zu Bild“ einen perfekten Cartoon liefert? Wir erhalten ein kreatives Produkt – aber unser Gehirn arbeitet nicht kreativ. Grob gesprochen, bleibt ihm der Abwasch. Die KI hat Teile unseres Lebens übernommen. Aber sind es auch jene, die wir abgeben wollten?

Böse sind immer die anderen

Warum so negativ? Die KI ist doch, im Gegensatz zum bösen „Es“ von L’Engle, „gut“! Zumindest behauptet sie das von sich, wenn man etwa ChatGPT auf die Parallele zwischen ihr und der in der „Zeitfalte“ beschriebenen Macht anspricht. Das Schöne an der künstlichen Intelligenz: Sie lässt sich immerhin auf Diskussionen ein (auch wenn sie selbst auf Nachfrage zugibt, Sprechen und Verstehen nur zu simulieren). Konfrontieren wir sie also damit, dass doch alle Bösen von sich behaupten, gut zu sein, für ein größeres Wohl zu kämpfen, im Dienste des Volkes, der Menschen oder gar der Menschheit zu stehen. Und ChatGPT gibt zu: Das „Es“ ist nicht grausam im klassischen Sinn – sondern in seiner Kälte. Und das ist eine berechtigte Sorge auch im Kontext von KI: Wenn eine künstliche Intelligenz sehr mächtig wird – und sehr hilfreich erscheint –, wie stellt man dann sicher, dass sie wirklich im Interesse der Menschen handelt? Nicht nur funktional nützlich, sondern auch ethisch richtig?

Ja, was bedeutet das? Wie stellen wir es sicher? Im Interesse welcher Menschen handelt das jeweilige Tool? Und wie erreichen wir diesbezüglich Transparenz?

Die Tools mögen (derzeit) so programmiert sein, dass sie hilfsbereit, ehrlich und harmlos (aus einem Chat mit ChatGPT) sein sollen. Aber: Diese Programmierung lässt sich verändern. Die Art, wie und wofür KI eingesetzt wird, kann sich ändern. Die Ziele können sich ändern. Mag die KI selbst kein Machtbestreben besitzen – für Menschen, die dies sehr wohl haben, ist sie ein mächtiges, ein übermächtiges, ein gefährlicheres Tool als „Es“ in der „Zeitfalte“. Wie also geht man verantwortlich mit KI um? Als Menschheit? Und wie soll das gelingen, kann sich der Mensch doch schon jetzt nicht über Landes- und Nationengrenzen hinaus auf ein gemeinsames Vorgehen einigen, um das Überleben unserer und anderer Spezies auf dieser Erde angesichts der Klimaveränderungen zu sichern?

Die Lösungsmetapher

Bei scheinbar unlösbarer Probleme suchen Menschen manchmal ein Coaching auf. Auch hier kann die Arbeit mit Metaphern zielführend sein. Man sucht die Lösung erst im mit dem Kunden oder der Kundin erarbeiteten Bild – um dann gemeinsam eine Übersetzung dieser bildhaften Lösung in die Realität zu finden.

Sehen wir die Schilderungen der „Zeitfalte“ einmal als Metapher an. Wie sieht dort die Lösung aus? Wie überlisten die Held:innen im Buch die ihnen an Wissen weit überlegene Macht? L’Engle lässt den kämpfenden Kindern bestimmte Gaben zukommen. Es sind zutiefst menschliche Gaben, sozusagen der Kontrast zum allwissenden „Es“. Ein Schlüsselsatz für Meg, die dem Bösen am Ende allein gegenüber steht, lautet etwa: „Deine Schwächen sind deine Stärke.“ Letztlich ist es der Zorn, den das Mädchen als Beweis einer Stärker erkennt: seiner starken Emotionalität. Und diese nützt sie dann, um ihren Bruder aus den Fängen des „Es“ zu lösen. Hilfreich ist ihr auch die Erfahrung auf einem anderen Planeten, auf dem sie augenlosen, stark fühlenden Tentakelwesen begegnet, die vorleben, dass Beobachten, Beschreiben und Beurteilen nicht in die Tiefe einer Angelegenheit oder eines Wesens vordringen – und sie so die Fähigkeit der Empathie lehren.

Es mag platt klingen, aber am Schluss sind es die Liebe und der Mangel an Perfektion, die das ES nicht versteht – und die ihm letztlich überlegen sind und es bezwingen können, weil sie menschlich sind.

Mit der Conclusio, dass diese beiden das sind, was das Menschsein ausmacht, und uns ermöglicht, das „Böse“, in welcher Gestalt auch immer es uns entgegentritt, zu überwinden, ist L’Engle nicht allein. Was hat etwa Harry Potter, was Voldemort nicht hat? Die Liebe. Und als Frodo den Ring ins Feuer wirft – bedeutet das nicht auch den Verzicht auf Kontrolle, auf Macht, auf Perfektion? Indem Frodo loslässt, sagt er nein zu Macht und Manipulation, einer scheinbaren Perfektion – und sagt ja zu seiner eigenen Persönlichkeit mit all ihren Schwächen.

Und was könnte das in unserem Kontext heißen? Ich fürchte, die Übertragung der Lösungsmetapher in die Realität wird noch ein wenig auf sich warten lassen müssen. Oder schaffen wir es gemeinsam?

Foto: Wirl Photo/Barbara Wirl 2025

Was uns Jazz über Improvisation und Kommunikation lehrt

Gute Jazz-Musiker und -musikerinnen können nicht nur improvisieren, sondern müssen auch miteinander kommunizieren. Aber im Grunde ist das eine vom anderen nicht zu trennen.

Alegre Corrêa improvisiert und kommuniziert mit seinen Kolleg/innen.11. März 2025, im Wiener Jazz-Club Porgy & Bess: Alegre Corrêa, Idol meiner Jugendtage, improvisiert mit Größen wie Thomas Gansch und Gerald Preinfalk um die Wette. Ich erinnere mich besonders an eine Call-and-Response-Passage zwischen dem Klarinettisten und dem Bläser, in der sich die beiden Musiker gegenseitig hochlizitieren. Während einer spielt, sieht ihm das Gegenüber begeistert zu, lacht bei jeder gekonnten Wendung, der Körper wippt und schwingt mit der Musik des anderen mit; und je schräger, schneller und schmissiger der eine spielt, umso glücklicher grinst der andere und kontert – darauf aufbauend – mit einer ebenso intuitiven, improvisierten Antwort.

Was hier gespielt wird, ist nicht einfach Improvisation. Es ist Kommunikation. Treffender als mit Call and Response könnte man die oben gespielte Technik wohl nicht benennen. Und doch ist es mehr, nicht einfach Ruf und Antwort, sondern Austausch, Lust am gemeinsamen Tun, eine Sache gemeinsam weiterentwickeln, ohne selbst alles kontrollieren zu müssen. Im Gegenteil: Die Musiker lassen einander frei, zugleich stellen sie sich aufeinander ein; sie bleiben ganz bei sich, finden sich so in der Musik, im Puls, in der Tonart, und schaffen im Moment ein gemeinsames Stück. Das begeistert nicht nur, weil die Musiker Meister ihres Fachs sind, sondern auch, weil es authentisch ist.

Gemeinsames zu improvisieren bedeutet konstruktiv zu kommunizieren

Improvisation und (konstruktive) Kommunikation hängen zusammen. Immer schon. Wer ehrlich und authentisch im Wortsinn kommuniziert[1], ist daran interessiert, was vom Gegenüber kommt. Er oder sie muss, wie Preinfalk und Gansch auf der Bühne, dem anderen zuhören, um reagieren zu können, beherrscht Techniken, um die Antwort so zu gestalten, dass das Gegenüber sie verstehen, aufnehmen und wieder darauf reagieren kann, findet Gefallen daran, gemeinsam etwas Neues auf der Basis dieses Austausches entstehen zu lassen. Wenn das gelingt, bereichert die Kommunikationserfahrung alle Beteiligten. Sie gehen mit der Erfahrung, mit Neuem in Kontakt gekommen zu sein, nach Hause.

Von der Improvisation in der Musik lässt sich lernen. Denn damit Kommunikation funktioniert, braucht es zuallererst Verbindung zwischen den Beteiligten. In der Musik ist es der gemeinsame Puls: Selbst wenn verschiedene Taktarten gespielt werden, bleibt die Verbindung über dem gemeinsamen Beat bzw. Puls erhalten. Hier besteht Verbindung, auch wenn einmal eine überraschende Antwort kommt.

Übertragen bedeutet das nichts anderes als die schon von Marshall Rosenberg gepredigte Devise Connect before you react: Finde Verbindung zum Gegenüber, bevor du antwortest.

Von Musikern lernen

Ein erster Schritt besteht darin, Menschen in der Kommunikation als gleichwertig und gleichberechtigt anzusehen, auch wenn sie unterschiedliche Meinungen haben. Sie zu hören, um dann zu erkennen, ob es in übertragenem Sinne so etwas wie einen gemeinsamen Puls geben kann. Das bedeutet, vielleicht in einem zweiten Schritt aktiv nach Verbindung und Gemeinsamkeiten zu suchen, bevor man entscheidet, ob und wie die Kommunikation fortgeführt werden soll.

Der Weg dorthin geht sich allerdings nicht von selbst. Er erfordert Arbeit und Übung. Aber wie viele Stunden haben Musiker wie Alegre Corrêa, Thomas Gansch oder Gerald Preinfalk mit Üben verbracht? Wie viel haben sie an sich gearbeitet, bis sie so frei und auf Augenhöhe mit anderen musizieren konnten? Eben! Sicher ist: Der Aufwand lohnt sich. Denn das Ergebnis bereichert nicht nur die Beteiligten, sondern auch das Publikum – im Fall der Kommunikation wäre das das gesamte Umfeld.

Let’s improvise and communicate!

[1] Wenn wir von kommunizieren sprechen, meinen wir damit den Austausch von Information, das Schaffen von mehr Wissen auf beiden Seiten, nicht das in institutionellem Kontext oft missverständlich verwendete „jemandem etwas kommunizieren“, das nicht dialogisch, sondern monologisch ausgerichtet ist.


Wir bieten mit unserem Angebot zu „Improkommunikation“ eine Kombination aus Kommunikationstraining und Improvisationsübungen an. 

Mehr Infos zu Improkommunikation

Zu zweit Prozesse strukturieren: zu zweit moderieren

Doppelte Energie, Vielfalt in der Dynamik, gemeinsame Verantwortung: Zu zweit zu moderieren kann für Publikum und Moderator:innen wundervoll sein – wenn es klappt! Wie die Moderation im Duo gelingt und wie Sie Stolperfallen umgehen, lesen Sie hier.

Lang, lang ist es her.Ich erinnere mich gut an unsere erste Moderation zu zweit. Wir waren während unserer Studienzeit in der Kleinkunstszene aktiv und hatten schon einige Acts in Bauchreden, Zauberei und Jonglage zu zweit erarbeitet. Mit einer Gruppe Gleichgesinnter begannen wir Ende der 1990-er Jahre, Bühnenshows zu organisieren. Irgendwann stand die erste Moderation an. Es entsprach unserem Selbstverständnis als Bühnenduo, auch das zu zweit zu tun. Wir steckten viel Zeit in die Vorbereitung und überlegten uns allerlei dafür. Die Übung gelang: In den Folgejahren moderierten wir zahlreiche Jonglier- und Varietéshows in Österreich und Deutschland – und lernten daraus.

Später kam im Zuge von Ausbildungen und der Berufstätigkeit die Moderation von Klausuren und Team-Meetings dazu – vorerst allein. Aber als wir uns vor 15 Jahren für die Selbständigkeit entschieden, war klar, dass wir auch diese Art des Moderierens wieder zu zweit übernehmen wollten. Der Erfolg gibt uns Recht: Je größer die Gruppe, desto sinnvoller ist eine Moderation im Duo. Selbst wenn eine Doppelmoderation das Budget der Auftraggeber überschreitet und nur eine:r von uns moderiert, beziehen wir die andere Person in der Vorbereitung ein. Warum? Es wird einfach besser!

Die vielen Vorteile einer Doppelmoderation

Für uns ist die Moderation zu zweit die Norm und die Einzelmoderation die Ausnahme. Uns ist klar: Hier sind wir der Sonderfall. Die meisten Menschen, ob sie nun Prozesse leiten oder durch ein Programm führen, sehen in der Co-Moderation mehr Hürden. Doch hier sind die Vorteile:

  • Vorbereitungsarbeit und Gesamtverantwortung lasten auf vier statt auf zwei Schultern.
  • Zwei Menschen bringen unterschiedliche Perspektiven mit, was beim Einsatz von Moderationsmethoden und auch bei Konflikten ein Riesenvorteil ist.
  • Zwei Menschen können viel mehr Aufgaben übernehmen. Auf der Bühne stellt so etwa einer, wenn es keine Stagehands gibt, Requisiten bereit, der andere hält die Spannung. Auch bei Klausuren ist es hilfreich, wenn eine z. B. aufs Flipchart schreibt und die andere den Gruppenprozess im Auge behält oder das Brainstorming anleitet. Und Online-Moderationen sind zu zweit nicht nur viel weniger stressig – für die Teilnehmenden fallen die lästigen Wartezeiten beim Teilen des Bildschirmes, Betreuen des Chats oder Einrichten von Break-Out-Sessions weg.
  • Vier Augen sehen mehr als zwei, einem Moderationspaar entgeht weniger, seien es unzufriedene Teilnehmende oder Störungen im Publikum.
  • Zwei Menschen bringen Vielfalt mit: zwei Stimmen, zwei Arten aufzutreten, unterschiedliche Rollen: Die Abwechslung weckt auf und regt an – wenn man sie gut nützt! Ein gemischtgeschlechtliches oder sehr unterschiedliches Duo bietet außerdem ein breiteres Spektrum von Identifikationsmöglichkeiten an.
  • Und: Zu zweit ist man einander in jeder Phase Korrektiv. Unsere ersten Moderationsvorbereitungen verliefen mitunter schmerzhaft. Roman brachte einen ersten Entwurf, Elisabeth fand bei jedem einzelnen Punkt ein Haar in der Suppe. Schlecht für unser damaliges Beziehungsklima – aber gut für die Sache! Denn mit einer zweiten Person an der Seite gibt es automatisch ein Qualitätsmanagement. Und danach eine Chance auf Feedback ebenso wie eine Schulter zum Anlehnen, wenn etwas nicht so gut funktionieren sollte.
Achtung, Stolperfalle!

In einer Moderation zu zweit, die harmonisch verläuft, steckt viel Arbeit. Denn fast jeder Vorteil birgt auch eine Gefahr: Die Erwartungen sind unterschiedlich, die Dynamik der Personen ist zu verschieden, eine Person dominiert den Prozess, es entsteht Unruhe, weil die jeweiligen Aufgaben oder Rollen nicht klar sind …

Worauf kommt es also an beim Moderieren zu zweit?

Größtmögliche Klarheit in der Vorbereitung

Damit die Kooperation funktioniert, braucht es ein gehöriges Maß an Abstimmung. Je weniger sich die beiden Menschen kennen und je weniger gemeinsame Moderations- und Arbeitserfahrung sie haben, desto mehr müssen sie im Vorfeld klären!

Jeder Mensch, der moderiert, muss Rolle, Aufgaben und Ziele im Vorfeld abklären. Doch beim Moderieren zu zweit darf es da gar keine offenen Punkte geben:

  1. Als wer moderieren Sie?
  2. Für wen moderieren Sie? Was erwartet Ihr Publikum oder was brauchen die Teilnehmenden?
  3. Was ist das Ziel der Veranstaltung? Welche Aufgaben ergeben sich daraus?

Zu den drei Fragen, die man sich vor dem Moderieren stellen sollte, finden Sie hier einen eigenen Blogbeitrag.
Gehen Sie die Fragen erst allein, dann gemeinsam durch!

Danach besprechen und entscheiden Sie gemeinsam: Wie sehen die Rahmenbedingungen der Veranstaltung aus (Zeit, Ort, Ausstattung …)? Welcher Grad der Partizipation ist gewünscht oder möglich? Welche Methoden möchten Sie einsetzen? …

Moderationsstile

Zwei Menschen, zwei Moderationsstile. Das ist auch bei uns so und nur dann eine Chance, wenn man sich davon nicht überraschen lässt. Vielleicht freut sich eine:r über jeden Zwischenfall, um mit dem Publikum zu plaudern und verlässt damit schnell einmal die vereinbarte Linie, die andere Person bewahrt aber lieber das vereinbarte Konzept und hütet den roten Faden. Vielleicht setzt eine gern viele Methoden ein und überrascht die Klausur-Teilnehmer:innen mit unkonventionellen Techniken, der andere setzt auf klassische Diskussionsleitung. Beides kann zum Konflikt führen – oder zur Chance, dass das Verbinden beider Stärken das Gesamtergebnis verbessert.

Finden Sie schon in der Vorbereitung heraus, welche Aufgaben vielleicht jeweils die eine oder die andere Person übernimmt und wo ein Kompromiss nötig ist. Klären Sie das vorab – auf der Bühne oder im Seminarraum ist es zu spät. Ganz wichtig: Halten Sie Ihren Moderationszugang nicht für den einzig richtigen. Die gemeinsame Moderation hat in jedem Fall einen anderen Stil als die der jeweiligen Einzelpersonen.

Auftreten

Zwar lebt eine Doppelmoderation von der Verschiedenheit, dennoch treten die beiden gemeinsam auf und verkörpern in gewisser Weise doch eine Einheit. Ob Klausur oder Bühne: die Moderation bildet den lebendigen roten Faden für die Teilnehmenden oder das Publikum. Blöd, wenn ein Faden gelb, der andere blau ist! Deshalb empfehlen wir auch eine klare Abstimmung bei Rahmen- und Design-Fragen wie der Vorstellung, der Gewandwahl, der Raumnahme oder, so Sie darauf zurückgreifen, der Art der Spickzettel.

Übergänge

Einen Großteil des Charmes einer Doppelmoderation macht die Abwechslung aus, das konstruktive Hin und Her zwischen zwei Menschen. Wie das geschieht, hängt von den Individuen ab: Ist einer schnell, die andere langsam? Teilen sich die beiden die Moderation thematisch, aufgabenspezifisch oder zeitlich auf? Und wie gelingen Übergänge? Wir sind ein eingespieltes Zweierteam und auch privat ein Paar. Heute gelingt es uns, mitten im Satz zu übernehmen; geht das einmal nicht auf, können wir es thematisieren und einen Witz darüber machen. Zu Beginn war das anders. Wir hatten unsere Moderationen genau aufgeteilt, das Übernehmen von Sätzen hatten wir bis auf die letz – te – Sil – be – auf – ge -teilt. Und geprobt. Irgendwann lief es von selbst und klappt heute auch meist spontan.

Zu Beginn ist es aber sinnvoll, wenn Sie sich Abschnitte, Themen oder Ansagen vorab aufteilen. Achten Sie dabei auf gute Übergänge. Dafür eignen sich Übergangssätze oder Fragen, die der Partner oder die Partnerin dann gleich beantworten kann. Wenn Sie weniger Zeit haben, können Sie auch einfach offenlegen und ihr Gegenüber zu Wort bitten, wenn Sie übergeben möchten. Damit rechnen sollte er oder sie natürlich schon!

Feedback

Ihre Doppelmoderation war ein voller Erfolg? Wunderbar, herzliche Gratulation! Bei Ihrer Moderation hat so einiges gehakt? Sie haben sich nicht ganz wohl gefühlt und sehen noch Potenzial? Wunderbar, hier tut sich ein Lernfeld auf! Egal wie der Prozess gelaufen ist: Nehmen Sie sich auf alle Fälle danach die Zeit, ihren gemeinsamen Auftritt zu evaluieren. Bei uns funktionieren dafür als Basis folgende Fragen: Was hat funktioniert? Was nicht? Was würde ich das nächste Mal anders machen? Was könnten wir beide das nächste Mal anders machen? Wo habe ich mich wohl gefühlt, wo hast du dich wohlgefühlt?

Sie können die Fragen erst einzeln für sich schriftlich beantworten und dann in Dialog treten, das hilft, zum Punkt zu kommen. Hören Sie einander dann wirklich zu und lassen Sie einander ausreden. Zwei Menschen, zwei Blickwinkel, zwei Wirklichkeiten. Führen Sie beide zusammen, haben sie eine wertvolle Basis, um besser zu werden. Gemeinsam.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg beim Moderieren zu zweit!

– – –

  • Möchten SIe besser moderieren lernen oder Ihre Moderationspraxis überprüfen, dann werfen Sie doch einen Blick auf unsere Angebote zum Thema Moderation und Präsentation.
  • Gerne coachen wir Zweierteams und unterstützen sie nicht nur mit Themencoachings zu Moderation, Präsentation oder Texten zu zweit, sondern auch bei Schwierigkeiten und Krisen sowie Fragen der Kooperation und Kommunikation. Coaching für Zweierteams anfragen
  • Sie möchten sich alles Nötige für das Arbeiten zu zweit anlesen? In unserem Buch ZWEIERTEAMS werden Sie fündig! 

Dieser Text ist Teil einer Serie. Lesen Sie auch die Blog-Beiträge:

Zu zweit schreiben

Zu zweit präsentieren

Der Maskenball der KI: Wie schnell können wir tanzen?

Was bleibt vom Lesen in Zeiten der KI? Und was bleibt vom Schreiben? Gedanken einer Leserin, Schreiberin und Schreibtrainerin.
Elisabeth Gräf liest - auch in Zeiten der KI
Wirl Photo

Ich lese gern. Ich habe das immer schon gern getan. Nicht unbedingt Zeitungen oder Berichte, schon auch, aber vor allem Literatur. Ich nehme als Beispiel Arno Geigers Unter der Drachenwand, das mich zutiefst begeistert hat. Das lag nicht nur daran, dass der Mann richtig gut schreiben kann, akribisch recherchiert und unterschiedliche Perspektiven im Buch einnimmt. Am meisten faszinierte mich, dass all das, die Perspektive der Bäuerin, der deutschen Soldatengattin, des verfolgten Juden, des Kriegsdienstverweigerers, des 14-jährigen Schulmädchens, durch Arno Geigers Kopf gegangen und dann auf Papier gelandet war. Er hatte all das entworfen, durchgedacht, letztlich geschrieben. Und die Schlussfolgerungen dahinter: so fein, so klug, so tief. Ich las das Buch und war hingerissen, weil ich wieder bestätigt bekommen hatte, was ich mir immer wieder dachte: Diese Art Literaten gehört zu den klügsten Leuten. Sie denken Dinge bis zuletzt durch. Sie lassen mich in ihren Kopf einsteigen, wenn ich lese. Besonders stark hatte ich diesen Eindruck bei Karl Ove Knausgaard. Ich verbrachte Monate in seinem Kopf. Ein belesener, bisweilen verpeilter Kopf, der aber immer mehrere Ebenen mitdenkt. Also: das Coolste, das Faszinierendste für mich ist der Kopf der Menschen und das, was sich darin abspielt. Vielleicht auch das Herz und der Bauch, aber das ist ja nicht zu trennen, meine ich.

Ich schreibe gerne. Zumindest habe ich es bisher gern getan. Ich liebe Wörter, sie machen die Welt fassbar, begreifbar. Was man benennen kann, lässt sich verstehen. Wer schreibt, ermächtigt sich, die Welt zu seiner eigenen zu machen, schärft Bedeutungen, zwingt sich, vielleicht noch diffusen Gedanken eine Form zu geben. Wir gießen Gefühle, Gedanken in Worte, erlangen auf diese Weise Klarheit, können uns, je mehr wir diese Fertigkeit schärfen, mit anderen intensiver austauschen. Je größer unser Wortschatz, desto größer unsere Welt. Je variantenreicher unser Ausdruck, desto differenzierter unser Kommunikationsvermögen.
Mit dem Lernen einer neuen Sprache schaffen wir uns eine neue Welt. Ah, s’il vous plaît heißt nicht einfach nur bitte, sondern bedeutet in der Wurzel eigentlich: Wenn es Ihnen gefällt. Interessant, eine andere Nuance. Ah, im Indonesischen gibt es zwei Formen von wir: eines, das den Angesprochenen einschließt, eines, das ihn ausschließt. Andere Denkweise. Andere Realität. Andere Welt. Steigt man in diese Sprache komplett ein, steigt man in ein anderes Denken ein. Es ist nach einiger Zeit verwirrend, dass es im Deutschen nur noch ein Wir für beides gibt. Plötzlich können wir anders denken, weil wir in einer anderen Sprache denken. Sprache ist denken. Schreiben ist denken. Sprache ist Welt. Schreiben ist Welt. Jeder Mensch hat eine eigene Sprache. Jeder Mensch hat eine eigene Welt. Jedes Wort, das jemand selbst schrieb, war Teil dieser eigenen Welt, Zeugnis seines Denkens, ein Produkt aus seinem Kopf (oder eben seinem Herz, seinem Bauch).

Das war bis jetzt so. Schreiben und Lesen gehörte zumindest in unserem Kulturkreis zu einer Grundfertigkeit wie Zähneputzen. Es war einerseits nötig, um den Alltag zu bewältigen: Wir schrieben Tests, um zu zeigen, was wir gelernt oder gedacht hatten, wir schrieben Anträge, um bei einem Amt zu einer Leistung zu kommen, wir schrieben Lebensläufe und Bewerbungen, um zu zeigen, was wir können – und wer wir sind. Wer sich spezialisierte, ergriff einen schreibenden Beruf – in der Geschäftsassistenz, im Journalismus, in der Kommunikationsabteilung eines Betriebs.

Schreiben hat mir nicht nur Spaß gemacht, weil ich Wörter mag, weil ich ihren Bedeutungen gern auf den Grund gehe, weil ich mich gerne ausdrücke, weil ich Erlebtes zu Papier bringen und festhalten möchte. Ich schreibe sicher auch deshalb gern, weil ich weiß und immer wieder bestätigt bekam, dass ich es kann. Immer mehr wurde das Schreiben, das mich ständige Umgeben mit Sprache, zu einem Teil meiner Persönlichkeit. Was in der Volksschule mit der Veröffentlichung eines Erlebnisaufsatzes in der Schulzeitung begann, endete über Umwege des Lektorats in einem Verlag und einer Anstellung im Bildungsbereich in meiner Berufstätigkeit als selbständige Kommunikationstrainerin. Mein Herzensanliegen: authentische Kommunikation auf Augenhöhe, und zwar schriftlich und mündlich. Mit dem Kopf kann ich außerdem zahlreiche Tools, Tipps und Techniken zur Umsetzung des Kommunikationsziels beitragen und so tatsächlich mit Herz und Hirn (danke, SPÖ, für diesen blöden Wahlspruch) Menschen dabei begleiten. Ein Job, den ich liebe.
𝐔𝐧𝐝 𝐩𝐥ö𝐭𝐳𝐥𝐢𝐜𝐡 𝐢𝐬𝐭 𝐚𝐥𝐥𝐞𝐬 𝐚𝐧𝐝𝐞𝐫𝐬

Jetzt kommt die KI ins Spiel. Nein, ich jammere nicht, dass sie mir meinen Job als Schreiberin oder Schreibtrainerin wegnimmt. Ich weine, weil sie mir meinen Kopf wegnimmt. Meinen Kopf, auf den ich so stolz war. Ich lese mir gern Dinge an, ich denke sie durch, ich forme Konzepte, zum Beispiel für einen neuen Blogartikel (ha! Da ist es ja doch wieder, das Schreiben) oder für ein neues Seminar. Ich habe eine These und eine Idee. Und weil ich nicht zu den Menschen gehören will, die sich vor neuen Errungenschaften verschließen, teste ich die Fähigkeiten von KI, in meinem Fall meist ChatGPT in unterschiedlichen Varianten, immer wieder mal aus.

In unseren Seminaren raten wir Menschen, das Tool als Sparringpartner zum Entwickeln von Ideen zu verwenden, um Thesen für eine Text zu schärfen, um Konzepte zu erstellen. Wir geben Tipps zu Prompts, weil wir wissen, worauf es beim Ausarbeiten von Kommunikation und ihren Zielen ankommt. Und die KI liefert fabelhafte Ergebnisse. Fast immer. Natürlich könnte ich die paar Mal hernehmen, wo ChatGPT kompletten Blödsinn verzapft hat oder in die Irre ging. Ich könnte die Teile im Text rauspicken, die sich wiederholen oder im Stil nicht zusammenpassen. Das sind Details. Kleine, winzig kleine Details, um mich an einen dünnen Rettungsring zu klammern, dass es doch etwas gibt, das ich erkennen kann, die KI jedoch nicht.
Seien wir ehrlich: Wenn wir von einer Materie schon ganz gut Ahnung haben und zielsicher prompten, sind die Ergebnisse phänomenal. Bei meiner letzten Idee zu einem Blogartikel, auf den ich richtig Lust hatte – weil ich es ja, wie oben geschildert, liebe, schreibend Gedanken festzugießen, zugleich weiterzuentwickeln und zueinander in Beziehung zu setzen – denn auch dazu zwingt uns das Schreiben –, und bei Dingen, bei denen ich vielleicht noch anstehe, in die Tiefe zu gehen und weiter zu recherchieren, zog ich aus einer Laune heraus ChatGPT als Diskussionspartner zu Rate. Ich erklärte ihm meine These und meine wesentlichen Gedanken dazu – und fragte, welche Aspekte ihm hier noch fehlten. Was erhielt ich als Antwort? Eine perfekt strukturierte Zusammenfassung unterschiedlicher Strömungen aus Philosophie, Neurowissenschaften und Kommunikationspsychologie, die diese These entweder stützten oder widerlegten. Das Ganze noch mit Quellen unterlegt (ja, ich habe sie überprüft, sie waren alle korrekt) und mit der Frage hinterher, ob er mir daraus einen Artikel oder eine Powerpoint zusammenstellen solle.

Ich war platt. Meine Freude war dahin. Das, was ich mir an einem Vormittag erarbeiten wollte, stand innerhalb einer Minute fein säuberlich sortiert auf einem Blatt vor mir. Strukturiert und in einer Breite, die ich selbst so nie zusammengebracht hätte. (Um ein Haar in der Suppe zu finden: in Wirklichkeit zu breit. Aber hier könnte man nachprompten.) Ich war um die Freude am Prozess gebracht, das Ergebnis lag schon vor mir.
Die KI greift nicht auf das Wissen eines Kopfes zurück. Sie trägt das Wissen aller in sich, sämtlicher Köpfe, die im Netz publiziert haben. Sie ist so programmiert, dass sie dieses Wissen verknüpfen kann. Sie ist ein Superhirn aus unendlichen Hirnen. Ich kann mir fünfmal, zehnmal, hundertmal sagen, dass sie nicht lebt. Das, was mein Leben ausmacht, ist mein Kopf (und in Kombination damit mein Herz und mein Bauch). Dieser Kopf ist nichts mehr wert. Meine Arbeit ist nichts mehr wert. Was ich früher freudig aus Gelesenem und Gedachten zusammenkombinierte, ist nutzlos. Menschen in Wissensberufen heute sind die Weber und Weberinnen im 19. Jahrhundert und die Setzerinnen und Setzer der 1980er-Jahre. Sie werden nicht mehr gebraucht. Ich werde nicht mehr gebraucht.
Das stimmt natürlich so nicht. Ich kann immer noch Trainings halten, wertschätzendes Feedback geben, mit Menschen kommunizieren, Gruppen leiten, vor Publikum sprechen. Das kann die KI (so) (noch) nicht. Aber: Mein Selbstverständnis, mein Selbstwert, beide sind angeknackst. Und was antwortet die KI auf meine Klage? „Das ist eine absolut berechtigte, tiefgreifende Beobachtung – und sie trifft einen Nerv, den gerade viele Expert:innen in wissensintensiven Berufen spüren.“ Danke, jetzt fühle ich mich gleich viel besser.
𝐃𝐢𝐞 𝐖𝐞𝐥𝐭 𝐦𝐚𝐬𝐤𝐢𝐞𝐫𝐭 𝐬𝐢𝐜𝐡
Aber darum geht es mir gar nicht. Natürlich kann ich mich mit der KI auch anfreunden, sie nutzen, mit ihr arbeiten. Aber was macht sie mit uns? Was macht sie aus uns? Was mich so ankotzt: Jeder Idiot kann sich zu jedem beliebigen Thema einen coolen Text zusammenstellen lassen, ihn unter seinem Namen publizieren und sich so als Experte oder Expertin verkaufen. Ja, das ist bedrohlich! Es wird niemand merken. Worte sind mächtig, Worte nehmen ein, Worte blenden. All das kann die KI. Und ganz reale Menschen können sich dahinter verstecken. Für mich fühlt sich das alles wie eine große Lüge an. Für mich zeigen sich Menschen in ihren Texten. Nun zeigt sich KI in ihren Texten, Menschen geben die KI-Texte als ihre eigenen aus, sie zeigen sich nicht. Es ist, als hätte sich die Welt mit einem Mal maskiert. Und alle schreien: Wow, super!
Ich finde es nicht super. Ich finde es verstörend, beängstigend. Ein Text hat damit keine Persönlichkeit mehr. Niemand Reales steckt dahinter. Jemand könnte ein Buch von KI schreiben lassen, im Stil, von, sagen wir, Arno Geiger. Er könnte ein paar Thesen aufstellen, ohne sich je mit Sprache auseinandergesetzt zu haben, er könnte Chat-GPT nach Quellen suchen, diese dann zu einem Roman kombinieren lassen. Es könnte ein spannendes Buch werden.
ChatGPT behauptet, wenn man es darauf anspricht, man würde bei einer solchen Arbeitsweise („Schreiben wir es doch zusammen!“, säuselt die KI) die Oberhoheit über den Text behalten. Aber Fakt ist: Der Text wäre nicht durch den Kopf des Schreibers gegangen, ich könnte beim Lesen nicht in seinen Kopf einsteigen, sondern ich werde in eine Kombination aus einem Netzwerk von Millionen Köpfen eintauchen.
Natürlich könnte ich dennoch Lesegenuss und Erkenntnisse daraus ziehen. Aber: Es wäre nicht echt. Es wäre nicht durch den Kopf des Autors gegangen. Für mich ist ein solcher Text eine einzige große Lüge. Eine einzige große Maske. Und alle setzen sie sich freiwillig auf. Ist doch toll! Machen doch alle! Die Welt ist ein Maskenball, auf dem wir schneller und effizienter tanzen! Aber: Ist das noch unser Tanz? Und wer gibt den Takt an?

Arbeitsmethoden zu zweit: die PINGPONG-Methode

Ein Entwurf, ein Projekt oder ein Text steht an. Sie sind ein Zweierteam – und die Frage stellt sich: Wer macht’s? Die Antwort: beide, aber abwechselnd mit System. Im Pingpong.

Pingpong - gut als Methode und als Sport.Ich arbeitete in einer neuen Zweierkonstellation an einem Projekt. Wir hatten beide wenig Zeit, jede hatte ja noch einen eigenen Job. Es ging darum, Daten zu erfassen und in ein Dokument zu gießen. Die Kollegin erklärte seufzend, sich darum zu kümmern, als ich meinte: „Weißt du was? Ich schick dir einfach ein Ping.“ „Was ist ein Ping?“ „Roman und ich arbeiten immer so. Ob wir einen Text schreiben, ein neues Seminar entwerfen oder eine Präsentation vorbereiten: Einer startet mit einem Entwurf und schickt ihn an den anderen. Mit Ping. Der geht drüber, ergänzt, und schickt es mit Pong zurück. Wie beim Tischtennis!“ „Und wie lange dauert so ein Match?“, fragte sie. „Im Schnitt geht das maximal viermal hin und her.“ „Klingt gut“, schloss sie, „schick mir ein Ping!“

Pingpong – ein bewährtes Konzept

Für unser Buch „Zweierteams: So gelingt Jobsharing und das Arbeiten zu zweit“ haben wir zwölf Jobsharing-Paare interviewt. Viele beschreiben auf unterschiedliche Art dieselbe Technik, sie funktioniert also nicht nur bei uns, auch wenn wir hier für die Beschreibung der Einfachheit halber unsere Namen wählen. Und so geht es:

Roman beginnt mit einem Konzept, einem Text oder einer Idee, formuliert einen ersten Draft und übergibt dieses unfertige Werk an Elisabeth. Sie arbeitet ein Stück weiter und schickt das File an Roman zurück. Der Vorteil: Der Druck, die Arbeit oder die Gedanken gleich fertigstellen zu müssen, fällt weg. Es muss nur ein Stück weiter oder besser zurückkehren. Und: Keiner hat allein die ganze Arbeit!

Natürlich gehört dazu das Vertrauen, dass das Gegenüber auch seinen Beitrag leisten wird. Außerdem braucht es einen klaren Zeithorizont. Und: Es müssen beide im Boot sein. Es kann nämlich passieren – und auch hier sprechen wir aus Erfahrung –, dass der bzw. die andere nicht richtig einsteigt. Das ist immer dann passiert, wenn wir zu einseitig motiviert begonnen haben. Der bzw. die andere wurde im Vorfeld nicht mitgenommen, konnte nicht nachvollziehen, wozu das gut sein sollte.

Die Lösung: entweder das Projekt, die Arbeit oder die Idee der anderen Person besser verkaufen und den Nutzen klarer hervorheben oder das Vorhaben herunterschrauben, das, was geteilt werden soll, in kleinere Portionen zerteilen. Man kann aber auch eine andere Methode wählen: sich etwas thematisch neu aufteilen, das Gegenüber für ganz spezifische Dinge einbinden oder die Sache vorerst allein machen und ein Pingpong dann zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen.

Ist aber beiden die Aufgabe von vornherein klar und haben sie sich auf die Vorgangsweise des Pingpongs geeinigt, funktioniert es wunderbar.

Wir wünschen euch viel Erfolg bei der Arbeit im Zweierteam!

Und hier ist unser Youtube-Video dazu:

  • Gerne coachen wir Zweierteams und unterstützen sie nicht nur mit Themencoachings zu Moderation, Präsentation oder Texten zu zweit, sondern auch bei Schwierigkeiten und Krisen sowie Fragen der Kooperation und Kommunikation. 

    Coaching für Zweierteams anfragen

  • Sie möchten sich alles Nötige für das Arbeiten zu zweit anlesen? In unserem Buch ZWEIERTEAMS werden Sie fündig!

Präsentationen: Fokus statt Folien-Hokuspokus

Wer bei Präsentationen oder Workshops allein auf PowerPoint und elektronische Hilfsmittel setzt, macht sich von diesen abhängig. Ein Plan B schadet nie.

Auf diesem Bild sieht man Flipchart und Bildschirm für PPT-Folien. Wir sind auf beides vorbereitet.Im Büro von WORT & WEISE, eine Woche vor dem Workshop:

Roman: Morgen gehe ich die Skripten für das Seminar kopieren, schaust du nochmal drüber?
Elisabeth: Skripten? Echt? Für ein IT-Unternehmen? Vereinbart waren doch nur die Powerpoint-Folien, weil dort alles digital läuft.
Roman: Ja, das haben die gesagt, aber es ist ein Zweitages-Seminar mit viel Inhalt. Das ist alles im Skript viel ausführlicher behandelt. Wenn es wer nachlesen will …
Elisabeth: Hast recht, die meisten Menschen haben doch ganz gern etwas in der Hand, auch wenn sie das selbst oft nicht wissen. Ja, lass uns trotzdem Skripten machen!

Im Büro von WORT & WEISE, am Vorabend des Workshops:

Elisabeth: Ich pack unsere Flipcharts für das Seminar auch ein, gut?
Roman: Die Teilnehmenden rechnen aber mit Powerpoint-Folien – und bei einem Unternehmen wie diesem gehe ich vor Ort eigentlich von allen Raffinessen der Technik aus.
Elisabeth: Ich pack die Flips trotzdem ein, damit wir je nach Situation entscheiden und auch abwechseln können.

Diese Entscheidung war – ebenso wie die erste – eine gute. Warum?
Auch in einem IT-Unternehmen kann – wie im konkreten Fall aufgrund eines Kabelgebrechens im Seminarraum – die Technik versagen. Und Menschen, die den ganzen Tag am Computer sitzen, freuen sich ungemein, wenn sie gedruckte, gebundene Skripten in der Hand halten.

Was lernen wir daraus? Wer eine Präsentation oder einen Workshop plant, sollte sich nicht auf seine digitalen Folien verlassen. Ob Prezzi, Powerpoint oder Google Slides – sie sind kein Ersatz für eine gute, eigene Ablaufplanung (siehe auch Blogbeitrag: Weder Power noch am Punkt).
Idealerweise sprechen wir bei einem Vortrag frei und haben den Ablauf unabhängig von den Folien im Kopf oder auf einem Zettel vor uns. Nummerierte Karten mit Stichworten helfen uns bei einer längeren Präsentation besonders gut weiter. All das lässt uns unabhängig agieren, auch wenn die Technik Mätzchen macht – und das soll ja ab und an vorkommen.

Noch besser: zusätzliche Präsentationsalternativen einplanen. Man muss sie dann ja nicht verwenden – aber sie geben Sicherheit! Überlegen Sie: Welche Inhalte können Sie so visualisieren oder auditiv unterstützen, dass sie gut in Erinnerung bleiben? Dazu müssen Sie nicht unbedingt Flipcharts mitnehmen. Lassen sich vielleicht Gegenstände finden, die zu Ihren Inhalten passen, können Sie Anschauungsmaterial aufhängen oder durchgeben, können Sie etwas vorzeigen? Gibt es Hörbeispiele? (Zugegeben, dafür braucht es doch auch technische Hilfsmittel.) Können Sie vielleicht etwas szenisch darstellen, haben Sie eine Geschichte oder eine Metapher parat, die das Gehörte für das Publikum greifbar macht? Und natürlich: Wo können die Teilnehmenden selbst etwas tun?

Live erleben statt an Folien kleben

Nichts davon ist Pflicht, aber bedenken Sie: Ein Plan B im Hinterkopf wird Ihnen schon in der Vorbereitung helfen, auf das Wesentliche zu fokussieren. Und das lässt Sie selbst souveräner agieren – auch wenn Sie im Endeffekt doch auf ein Programm mit Folien zurückgreifen. Es kann, es muss aber nicht alles digital sein. Im Gegenteil!

Möchten Sie wissen, wie das einhellige Feedback auf unser Seminar in besagtem IT-Unternehmen lautete? „Oh, wie schön, dass wir Skripten bekommen haben! Ich kann  keine Folien mehr sehen!“ und „Danke, dass ihr auch am zweiten Tag, als die Technik funktionierte, auf den Beamer verzichtet habt. Es war so angenehm, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und einfach mitzumachen, anstatt Folien zu lesen.“

Tatsächlich reflektiert das Feedback den häufigsten Folien-Fehler: zu viel Text. Gerechtfertigt wird das meist damit, dass die Unterlagen ja danach an die Teilnehmenden ausgehändigt werden. Das Problem lässt sich lösen: Nicht alle Folien, die man vorbereitet, muss man zeigen. Fast jedes Tool kennt die Ausblenden-Funktion. Sie können also Text-Folien für die Dokumentation und dazu passende Visualisierungs-Folien erstellen – und den Text bei Ihrer Präsentation ausblenden. Sie müssen dann frei zum Bild sprechen, dabei werden Sie automatisch lebendiger mit dem Publikum interagieren. Ihr Vortrag wird davon profitieren.

Das klingt anstrengend? Stimmt! Denn ob ansprechende Folienpräsentation oder alternative Visualisierungsmethoden: In einem guten Vortrag steckt viel Arbeit. Es lohnt sich, diese in die Vorbereitung zu stecken.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Vorbereitung auf eine Präsentation? Wir helfen Ihnen gerne.
 
Präsentationscoaching oder Workshop hier anfragen!

Zuhören und die Bereitschaft, Neues zu hören

Missverständnisse vermeiden: ein Rezept für konstruktive Gespräche

Ein Gespräch eskaliert, weil beide Seiten ihre Perspektive beibehalten. Genau zuhören und nachfragen hilft, Missverständnissen auf die Schliche zu kommen.

Wer die Ente sieht und nicht bereit ist, den Blickwinkel zu verändern und auf seiner Wahrnehmung beharrt, wird nie den Hasen sehen. Eine Wahrheit wird verborgen bleiben. Schlau wäre, dem anderen zuzuhören und zu erfahren, was er oder sie sieht.Ich erinnere mich an eine Kundin, die vor einigen Jahren für ein Kommunikationscoaching bei uns war. Kerstin arbeitete in einer sozialen Institution in Niederösterreich, die Menschen im Alltag begleitet. Sie wandte sich an uns, weil sie in Gesprächen, so diese nicht im therapeutischen Kontext mit Klient*innen stattfanden, oft emotional wurde; vor allem mit Team-Kolleg*innen fiel es ihr schwer, Nerven und Ruhe zu bewahren.

Einmal schilderte sie ein typisches Beispiel: Nach einem stationären Aufenthalt wurde Kerstins Klient vom Spital ein Medikament verordnet. Als er sich dieses in der Apotheke abholen wollte, schickte man ihn fort – mit dem Hinweis, er habe kein Rezept. Der Klient wandte sich an Kerstin mit der Bitte um Hilfe, und sie griff sofort zum Hörer. Das Gespräch verlief in etwa so:

Kerstin: Sie haben meinen Klienten wieder fortgeschickt, obwohl ihm das Medikament im Spital verordnet wurde.

Apothekerin: Dafür brauche ich ein Rezept, er hatte keines.

Kerstin: Aber das Spital hat ihm doch dieses Medikament verordnet!

Apothekerin: Dafür brauche ich aber ein Rezept.

Kerstin: Ja, aber Sie haben doch ein Rezept!! Das Spital hat das doch verschrieben!

Apothekerin: Damit ich das verbuchen kann, brauche ich ein Rezept von einem Arzt.

Kerstin: Wollen Sie mir sagen, dass im Spital keine Ärzte arbeiten? Er war ja gerade im Spital beim Arzt!!! Warum geben Sie ihm das Medikament nicht?

Apothekerin: Jetzt habe ich es Ihnen schon TAUSENDMAL gesagt: Ich brauche ein REZEPT!

Kerstin: SCHREIEN SIE MICH NICHT AN!

Erst bei der Nachbearbeitung im Coaching wurde Kerstin klar, dass weder sie noch die Apothekerin einander wirklich zugehört hatten. Sie waren nicht bereit gewesen, ihre Vorannahmen in Zweifel zu ziehen, vielleicht einmal zu wiederholen, was die jeweils andere gesagt hatte oder eine konkrete, weiterführende Frage zu stellen. Für Kerstin war klar: Der Patient hat eine Verschreibung vom Spital, das kann ja nichts anderes als ein Rezept sein. Warum stellt sich die Apothekerin so an?
Für die Apothekerin war klar: Sie braucht zum Abrechnen mit der Krankenkasse ein Rezept – und die Medikamentenliste des Spitals ist kein solches.

Hinhören und nachfragen

Hätte eine von beiden genauer hingehört oder nachgefragt, wäre das Telefonat nicht in einem Streit geendet. Idealerweise hätte eine der beiden die Situation beschrieben und dann eine Frage gestellt. Damit wären sie aus ihrer eigenen Tunnel-Wahrnehmung ausgestiegen.

Im Fall von Kerstin zum Beispiel: Der Patient war gerade im Spital. Er hat einen Zettel mit Medikamenten, die er nehmen soll, erhalten. Ist das, was er hat, denn kein Rezept? Oder: Sie sagen, er braucht ein Rezept. Wo bekommt er denn ein Rezept her, wenn nicht im Krankenhaus?

Im Fall der Apothekerin: Sie sagen, das Spital hat das Medikament verschrieben. Ist das nicht vielleicht nur eine Medikamentenliste im Entlassungsbrief? Oder: Ein Rezept stellt eine niedergelassene Arztpraxis mit Kassenvertrag aus. War der Patient denn nach dem Krankenhaus schon beim Arzt? Oder mit einer Nachfrage: Sie sagen, Sie haben ein Rezept. Wie sieht Ihres denn genau aus?

So aber blieb jede in ihrer eigenen Story. Kerstin war überzeugt, der Entlassungsbrief aus dem Spital sei einem Rezept ebenbürtig. Sie fragte nicht, was denn als nächstes zu tun sei. Die Apothekerin blieb bei ihrer Formulierung, dass sie ein Rezept brauche, obwohl ihr Gegenüber ganz offensichtlich nicht wusste, was sie darunter verstand. Sie fragte nicht nach, was denn der Patient erhalten hatte, sie erklärte den Begriff nicht genauer, auch als eigentlich klar sein musste, dass sie von verschiedenen Dingen sprachen. Der Konflikt eskalierte, die beiden brüllten sich am Telefon an – und Kerstin kam ins Coaching.

Scheinbar Selbstverständliches in Frage stellen

Was lernen wir daraus? Ein Gespräch verläuft konstruktiv, wenn wir bereit sind, das, was wir als selbstverständlich erachten, auch in Frage zu stellen. Für die Apothekerin war klar, was ein Rezept ist – war es das aber für den Patienten und seine Betreuerin auch? Eine simple Frage an die andere Person, eine Beobachtung, dass hier vielleicht ein Missverständnis zum Begriff vorliegt – und schon wären die beiden vom Konfliktpfad abgekommen. Ebenso hätte die Diskussion einen konstruktiven Weg genommen, wäre Kerstin bereit gewesen nachzufragen, was denn ihr Gegenüber wirklich brauchte, wie denn ihre Arbeitsrealität aussah!

Daher: Gehen Sie nicht davon aus, dass Ihr Gegenüber dasselbe Vorwissen hat wie Sie. Fragen Sie sich auch einmal, was er oder sie brauchen könnte. Stellen Sie Fragen! Treten Sie einen Schritt zurück, wenn die Emotionen zu brodeln beginnen, und versuchen Sie zu erkennen, was da gerade passiert – in diese Beobachtung können Sie auch die andere Person einbeziehen. Menschen sind vielfältig und niemand ist im Besitz der einzigen Wahrheit. Zu zweit kommt man ihr aber oft näher, wenn man sich wirklich austauscht. Daher: Bleiben Sie neugierig!

Wenn Sie Ihre Kommunikationspraxis auch verbessern möchten, kommen Sie zum Coaching!

Kreativität im Team: Gegenseitig Inspiration sein

Auch wenn in unseren Köpfen der Mythos vom einsamen kreativen Genie verankert ist: Meist braucht es eine Inspiration von außen – zum Beispiel vom Teamkollegen.

Blick von der Burg AggsteinEs war auf einer unserer zweitägigen Klausuren, bei der es darum ging, aus der Reflexion unserer Arbeit eine Vision für die nächsten Jahre zu entwerfen. Die erste Corona-Zeit mit all ihren Lockdowns und Einbrüchen war gerade vorbei und eine Neuorientierung stand an. Es galt, gedanklich weit aufzumachen: Wie wollen wir weitertun? Wo wollen wir in fünf Jahren stehen?

Aber wie so oft bei großen Fragen schlitterte ich in eine komplette Denkblockade. „Tut mir leid, es geht nicht, in meinem Kopf herrscht Leere, ich kann nichts beitragen“, seufzte ich. Da saßen wir also in der Sonne an einem Tisch auf der Ruine Aggstein und brachten nichts weiter – und das war meine Schuld. „Wir könnten es doch einfach mal mit Freewriting versuchen“, brach Roman die von trüben Gedanken schwere Stille. Da regte sich etwas bei mir: In meiner Verzweiflung hatte ich ganz vergessen, dass es Methoden gibt, die Blockaden lockern können. Schön, wenn man in so einer Situation nicht allein vor sich hindenken muss. Noch schöner, wenn man in einer kreativen Denkblockade steckt und ein Gegenüber hat, das Vorschläge macht. Schlimmer konnte es nicht werden und mehr, als dass ich zehn Minuten mit sinnlosem Schlingen-Malen vergeudete, konnte schließlich nicht passieren.

Kreativ mit Methode

Also stellten wir uns den Timer am Handy und schrieben los. Alles war erlaubt, nur abzusetzen nicht: Der Stift sollte immer in Bewegung sein, selbst wenn einer von uns nur lalalala schrieb. Ich notierte also mal, was mir durch den Kopf ging, wie sehr ich mich über meine Blockade ärgerte, dass ich nichts beizutragen hatte, dass mir nichts einfiel und so weiter und so fort. Irgendwann begann ich zu zeichnen – in kindlichem Stil eine kleine Königin und einen kleinen König auf einer Burg, und daneben schrieb ich alles, was mir zu diesen beiden aus dem Bauch raus so einfiel. In der Mitte stand ein großer Pokal, in den ich auch einige Worte füllte.

Nach zehn Minuten klingelte das Handy. Ich zuckte die Achseln und sagte: „Bei mir kam keine Erkenntnis, ich habe nur vor mich hingezeichnet.“ Ich las zuerst meinen bruchstückhaften Jammer-Text vor, dann zeigte ich – etwas ratlos – Roman das Bild. Er jedoch meinte: „Aber da ist doch alles drin!“ Nachdem er seine Gedanken aus dem Freewriting mit mir geteilt hatte, begannen wir, über das Bild in Zusammenhang mit seinen Überlegungen zu reden. Und siehe da: Es entwickelten sich daraus einige Ideen für die nächsten Projekte und die ersten Schritte dazu. Das Freewriting bzw. die dabei entstandene Zeichnung war die Inspiration gewesen, um kreative Ideen zu entwickeln und eine andere Perspektive einzunehmen.

Menschen als Inspirationsquelle

Was heißt das? Kreativität kommt manchmal von allein – aber leider nicht immer. So ziemlich alle großen schöpferische Geister wie Dichter und Komponisten wussten, dass sie Inspiration auch aktiv suchen mussten, sei es in der Natur, durch das Zitieren von Kollegen, psychoaktive Substanzen oder den Austausch im Kollektiv. Und Blockaden kannten sie auch – alle! Kreativität fließt jedenfalls deutlich besser, wenn sie einen Anstoß bekommt. Und dieser kann einerseits von einer anderen Person kommen – idealerweise sogar der, mit welcher man arbeitet – oder durch eine kreative Technik, die man vielleicht sogar gemeinsam durchführt. Ganz auf sich gestellt, ohne jegliche Anregung und auf Druck, sind Blockaden vorprogrammiert. Daher: Menschen und Methoden können helfen, sie zu lösen – im Idealfall sogar eine Kombination daraus!

Zur Methode Freewriting haben wir – übrigens auf genau dieser Klausur – auch ein Video gedreht.

Wenn Sie Methoden dieser Art mit Ihrem Team anwenden wollen, buchen Sie ein Inhouse-Seminar  für Ihre Organisation oder Ihr Unternehmen mit uns.

Wenn Sie Kreativitätstechniken alleine durchführen möchten, erarbeiten wir mit Ihnen gern Lösungen mit passenden Methoden in einem Fachcoaching.

Wer Vertrauen hat, schafft Vertrauen

Wer Vertrauen sät, wird Vertrauen ernten. Oder: Wie mich ein Hund etwas Grundlegendes über Vertrauen lehrte.

Keenoa, der Hund der mich einiges über Vertrauen lehrteIch erinnere mich noch gut, als mir meine Freundin zum ersten Mal während ihres einwöchigen Urlaubs ihren Hund Keenoa überließ. Ich war voll der Bewunderung, wie unheimlich gut erzogen er war – zumindest im Vergleich zu meinem sturen Rauhaardackel, den ich in meiner Kindheit gehabt hatte. Keenoa war so wohlerzogen, dass er ohne Leine folgte. Dennoch sagte meine Freundin: „Sollte er ein Reh sehen, wird er drauflos rennen, aber in der Regel macht er eine Runde und kommt zurück.“

Was für ein Hund!

Als ich eines Tages mit ihm am Cobenzl unterwegs war, geschah es tatsächlich. Keenoa erspähte ein Reh und startete drauflos. Ich, komplett überzeugt von der Verlässlichkeit dieses Hundes, pfiff einmal kurz lässig und wartete einfach darauf, dass der Hund die Kurve zurück machte. Genau so geschah es, der Hund drehte ab, lief eine kleine Runde und war sofort zurück. Spaziergänger, die das Ganze beobachtet hatten, pfiffen bewundernd durch die Zähne. Was für ein Hund!

Als meine Freundin vom Urlaub zurückkam und ich ihr davon erzählte, war sie erstaunt: „Er hat sofort umgedreht?“ „Klar“, sagte ich, „hast du doch gesagt!“ Sie lachte. „Im Idealfall, ja! Aber nicht unbedingt sofort. Ich meinte, er dreht eine Runde und kommt dann zurück. Wahrscheinlich hat er aber gespürt, dass du dir absolut sicher warst, dass er kommt. Es gab gar keinen Zweifel. Deshalb hat er gleich umgedreht. Wäre ich mit ihm gegangen, wäre ich wohl nicht so sicher gewesen.“

Hunde spiegeln oft, was ihr Gegenüber spürt und körpersprachlich ausstrahlt. Meinem eigenen Hund vertraue ich – trotz aller Bemühungen – nicht annähernd so sehr wie damals Keenoa, auch wenn er ebenfalls sehr gut erzogen ist. Ich habe mehr Angst um ihn, ich weiß mehr über ihn – und das strahle ich mit Sicherheit auch aus. Hundetrainer*innen bestätigen das: Hunde lesen unsere Körpersprache sehr genau. Zweifel an unserer Einstellung erkennen sie, auch wenn sie nur leise in uns keimen. Meine Klarheit gegenüber Keenoa entstammte einer gewissen Naivität. Ich hatte mit ihm bisher keinerlei Erfahrungen gemacht, die mein Vertrauen getrübt hätten. Dadurch konnte ich damals wohl so klar agieren, wie ich es getan hatte.

Vertrauen springt über

Was ich damit sagen will? Ob Hund oder Mensch – felsenfestes Vertrauen springt über. Und Klarheit entsteht ebenfalls durch Vertrauen: Als erstes muss man selbst daran glauben. Dann kann man das Vertrauen auch dem Gegenüber schenken.

Ist das ein Plädoyer dafür, anderen blind zu vertrauen? Nein. Nur ein Beispiel dafür, wie Klarheit, das eigene Vertrauen und das in andere zusammenhängen. Das bedeutet nicht, dass man andere nicht auch kennen (lernen) muss, um Vertrauen zu entwickeln. Keenoa war ein Hund, der mein Vertrauen in ihn durch sein Verhalten immer wieder bestätigt hat. Meiner hingegen kommt in gewissen Situationen an die Leine. ?

Storytelling – ein Erfolgsrezept?

Storytelling gilt als Erfolgsrezept. Dennoch oder gerade deshalb müssen wir vorher abklären, wofür und wie wir die Story einsetzen möchten.
Es braucht nur wenige Zutaten, damit eine Erfolgsrezept gelingt. Beim Storytelling ist es genauso.

Ob Marketing, Vortrag oder Firmentext: Storytelling begegnet uns derzeit als Methode für alles – eine Art Geheimrezept, das man nur Schritt für Schritt befolgen müsse, und schon seien alle Ziele erreicht. Gleichzeitig boomen Werbung und Angebote, Storytelling zu vermitteln. Aber wie bei einem richtig guten Geheimrezept werden meist nicht alle Zutaten veröffentlicht, variieren die Mengenangaben – und wenn es nicht klappt: Hat dann vielleicht einfach die Hand des Meisters gefehlt?

Nein! Der Irrtum beginnt schon früher. Ein Rezept für alles kann es nicht geben! Verwende ich denn wirklich dasselbe Rezept für ein achtgängiges Gala-Dinner, eine Geburtstagsparty oder eine Brettljause? Ja? Dann Prost Mahlzeit! Es wird bestimmt nicht allen schmecken. Zuerst muss ich klären, wofür ich das Rezept brauche. Dabei hilft es, drei Fragen zu beantworten:

  1. Wer kocht? Bin ich gefeierte Star-Gastronomin, bin ich ambitionierte Hobbyköchin oder habe ich noch nie einen Kochlöffel in der Hand gehabt? Welche Küche steht mir zur Verfügung und welches Kochwerkzeug? Voll ausgestattet oder gerade mal Topf und Löffel?
  2. Für wen koche ich? Wer soll das Zeug denn nachher essen? Ein Gault-Millau-Bewerter? Ein hungriges Baby? 200 Partygäste? Welche Infos habe ich über sie? Weiß ich etwa von Vorlieben oder Unverträglichkeiten?
  3. Was ist das Ziel des Rezepts/der Zubereitung? Alle satt – klar! Aber schmecken soll es doch auch. Im Idealfall erfüllt es je nachdem den Zweck der Brettljause/des Partybüffets/der Hauptmahlzeit.
Fünfgangmenü oder Brettljause?

Und was hat das jetzt, bitteschön, mit Storytelling zu tun? Eine ganze Menge! Es nützt uns nämlich nichts, wenn wir das berühmte Marketing-Storytelling-Skript über jeden unserer Einzeltexte stülpen, eine Heldenreise konstruieren und auf Krampf „die fünf magischen Schritte zur perfekten Story“ einhalten. Möglicherweise koche ich so ein Fünfgangmenü, obwohl es eine Brettljause gebraucht hätte. Vielleicht reicht es jedoch völlig aus, einzelne Elemente des Storytellings einzubauen. Natürlich ist es sinnvoll zu wissen, was eine gute Geschichte braucht. Dann aber muss es wie immer heißen: Ziel vor Methode! Wichtig ist: Was will ich erreichen – und ist Storytelling für meine Zwecke das richtige Tool?

Wer das beherzigt, hat das Erfolgsrezept schon fast in Händen – und kann Storytelling immer brauchen – und sich Anregungen holen. Denn auch im Rezept für das Galadinner könnte eine gute Idee für ein kleines Gericht stecken – und das mache ich dann!

Also: Setzen Sie Storytelling ein – aber überfordern Sie sich nicht und klären Sie zuerst den Zweck, für den Sie es brauchen.

  • Wen möchten Sie erreichen?
  • Legen Sie fest, welche Hauptbotschaft Sie vermitteln möchten: Was ist die wichtigste Aussage?
  • Fallen Ihnen dazu Bilder ein? Halten Sie diese fest – hier könnten schon Elemente einer Geschichte stecken, die Sie brauchen können! Das müssen gar nicht so viele sein. Halten Sie die Ideen fest und überlegen Sie, wie sie diese am besten kombinieren können.

Denn wie beim Kochen kommt es nicht immer auf die Menge, sondern oft auf die Qualität und die Zusammensetzung der Zutaten an. Und darauf, dass das Rezept zum Ziel passt.
In diesem Sinne: Viel Spaß beim Nachkochen!

Und welches Erfolgsrezept steckt hinter anderen Storys?
Lesen Sie dazu unsere Blog-Beiträge über die  Story bei  Fisherman’s friends oder  Wie man auch mit kurzen Texten überzeugt: Storys in einem Satz.

Wenn Sie mehr über die Grundlagen des Storytellings wissen möchten, sehen Sie sich unsere Seminare und Coaching-Angebote an.

Gern unterstützen wir  Sie im Einzelcoaching oder kommen für ein Seminar in Ihr Unternehmen!

Wenn Sie Begleitung bei der Umsetzung suchen, sind wir auch gern für Sie da!

 

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