Alle Artikel von Roman Kellner

„Ich muss nicht recht haben“ – eine Hommage an Alfred Komarek

Heute vor zwei Jahren starb der österreichische Schriftsteller Alfred Komarek – mein Mentor.

Alfred Komarek im Weinviertel

Ich muss etwa 18 Jahre alt gewesen sein und in meiner Schreibtischlade lag eine dicke Mappe mit selbst verfassten Gedichten und kurzen Texten. Weltschmerz, Liebeskummer und Umweltzerstörung war ich seit meinem 14. Lebensjahr mit Schreiben begegnet. Doch taugten die Texte etwas?

Da meinte meine Mutter, „der Komarek“ wäre bereit, sie einmal anzusehen. „Der Komarek“, das war für mich ein Mann, immer im Anzug, stets gut riechend und seltsam distanziert, der öfter bei uns vorbeischaute und kuriose Geschichten erzählte. Tatsächlich verband ihn fast von Jugendzeit an eine enge Freundschaft mit meiner im gleichen Jahr und Monat geborenen Mutter, Eva Kellner, die als Grafikerin auch fast alle seine Bücher illustrierte. Trotz dieser Nähe hieß er bei uns daheim immer nur „der Komarek“.

Feedback „vom Komarek“

Ich übergab ihm meine heilige, mit einem martialischen Lederband zusammengehaltene Mappe und zwei Wochen später bekam ich sie mit kurzen Bewertungen wieder. Neben Noten von 1 bis 10 war jeder der über 60 Texte mit ein oder zwei persönlichen Sätzen versehen, manche lobend, andere (zu recht) dezent vernichtend, fast alle mit kleinen Verbesserungsvorschlägen. Ich konnte das Feedback gut nachvollziehen und annehmen. Das Bemerkenswerteste allerdings war ein Satz, den er den Bewertungen vorangestellt hatte: „Ich muss nicht recht haben.“ Diese paar Wörter des „Melodie Exklusiv“-Texters, des Reise-Schriftstellers und Autors, des großen Alfred Komarek, haben sich mir tief eingeprägt. Ich selbst musste später noch oft Schriftstücke beurteilen – als Texttrainer, als FH-Lektor, als Schreibcoach. Und diesen Satz fühle ich bis heute und ich stelle ihn selbst gerne einer Beurteilung voran, er hilft dem Bewerteten genauso wie jenem, der bewertet.

Der Satz ist so typisch für Alfred Komarek, weil er ein durch und durch bescheidener Mensch war. Im Rampenlicht fühlte er sich nicht wohl und Erfolg betrachtete er zwar als befriedigend und hilfreich, aber nicht als selbstverständlich.

Die freundschaftliche und berufliche Verbindung brachte es mit sich, dass alle seine Neuerscheinungen, noch ehe sie die Buchhandlungen erreichten, bei uns am Esstisch lagen. Bevor ich mich an diesen Text machte, habe ich mir überlegt, von welcher Autorin oder welchem Autor ich zehn oder mehr Bücher gelesen habe. Es sind nicht viele. Der tschuktschischen Schriftstellers Juri Rytchëu hat es mir als junger Ethnologie-Student angetan. Von JK Rowling habe ich auch nach der Harry-Potter-Reihe nichts ausgelassen. Und der amerikanische Psychotherapeut Irving Yalom nimmt bei uns gut einen halben Meter Regalfläche ein. Und Alfred Komarek natürlich. Das gehörte sich so. Manche seiner Werke fand ich großartig, oft die kleinen poetischen wie „Otto, der Weihnachtsrabe“, einige okay und ein paar haben mir inhaltlich wenig gegeben.

Diese ganz eigene Sprache

Aber immer war da diese eigentümliche Sprache, die ich ja auch gesprochen so gut kannte und beim Lesen im Ohr hatte. Alfred Komarek nutzte viel mehr Adjektive und Adverbien, als wir Schreibtrainer:innen empfehlen. Aber bei ihm war es eben nicht Trägheit, sondern die Lust an überraschenden Kombinationen und ausgleichenden Begegnungen von Wörtern. Immer modulierten die Eigenschaftswörter die Hauptwörter und kreierten damit etwas Neues – irritierend, aufweckend, witzig.

In dieser feinen, nuancierten und nie vorhersehbaren Sprache beschrieb er Menschen und Orte. Und da am liebsten die verschrobenen, wie er sie in seiner Wahlheimat, dem Weinviertel, fand, und nicht die, die sich anbieten und anbiedern. Komarek mochte Menschen, er sammelte ihre Geschichten und erzählte sie gerne weiter – versöhnlich, liebevoll und ganz und gar uneitel.

Komareks SchreibmaschineDie Ehre, Komareks Texte lesen zu dürfen

Im Herbst 2022 bat mich der schon sehr kranke Komarek, für ihn einzuspringen und seine Texte im Rahmen einer ausgebuchten Veranstaltung des unermüdlichen Kulturvereins Transdanubien zu lesen.  Ich kann mich noch gut an das Gefühl erinnern: Klar war ich aufgeregt, aber ich wusste auch, das fühlt sich jetzt sehr richtig an.

Die Mappe mit den Texten und Kommentaren habe ich natürlich immer noch. Außerdem eine alte Erika-Schreibmaschine, die einst „dem Komarek“ gehörte. Ich habe sie noch nie benutzt, aber ich hüte sie und freue mich, dass ich mit ihr unter einem Dach wohnen darf. Alfred Komarek ist am 27. Jänner 2024 gestorben, aber nur weil ich ihn schon länger nicht gesehen oder gehört habe, ist er in mir noch lange nicht tot.

„Wir entschuldigen uns nicht.“

Wenn Fehler passieren: So holen Sie Kund:innen emotional ab, ohne um Entschuldigung zu bitten oder Fehler einzugestehen.

"Hast du gehört,? Emil hat sich das Bein gebrochen!" "Hast du gesagt, dass es dir leid tut?" "Natürlich nicht. Sonst glaub er noch, es wäre meine Schuld."Folgende Seminarsituation haben wir oft erlebt: Die Teilnehmer:innen haben gerade gehört, dass gute Kommunikation, egal ob schriftlich oder mündlich, neben einer Sach- immer auch eine Beziehungsebene hat. Und dann meldet sich jemand und sagt: „Wir haben eine Vorgabe unseres Unternehmens: Wir entschuldigen uns nicht. Nie. Unser Unternehmen macht offiziell keine Fehler.“ Meist folgt dann noch der Hinweis, dass das Mitarbeiter-Team angehalten ist, Kunden und Kundinnen mit Floskeln wie „Wir sind stets bemüht …“ abzuspeisen.

Wir können nachvollziehen, dass solche Weisungen dem Versuch geschuldet sind, für nichts verantwortlich oder gar haftbar gemacht zu werden. Natürlich sind sie wenig glaubwürdig, schon Seneca und Cicero wussten, dass irren menschlich ist. Wo gearbeitet wird, passieren Fehler. Aus kommunikativer Sicht freilich gehen diese Aussagen nach hinten los, sie lassen nicht nur die Kund:innen sondern auch die Mitarbeiter:innen im Regen stehen.

Nehmen wir an, eine Kundin hat ein Produkt bestellt, ein Geburtstagsgeschenk für ihren Ehemann, und beschwert sich nun, dass sie schon viel länger darauf wartet als vereinbart und dass sie bei der Geburtstagsfeier ohne Präsent dasteht. Die Dame ist verärgert und enttäuscht. Wer Kund:innen ernst nimmt, muss auch deren Gefühle ernst nehmen. Wenn wir sofort zu Erklärungen ansetzen, warum die Verzögerung nichts mit uns zu tun hat, und beteuern, dass wir stets um zufriedene Kund:innen bemüht seien, verhöhnen wir die arme Frau. Klar, die will in erster Linie ihr Paket, aber genauso will sie in ihrem Schmerz wahrgenommen werden.

Es tut mir leid

Dabei müssen wir uns gar nicht selbst geißeln, sondern lediglich sagen: „Es tut uns leid.“ Es tut uns leid, dass, es zu dieser Verzögerung kommt. Es tut uns leid, dass Sie am Geburtstag ohne Geschenk dastehen. Wir signalisieren damit, wir sehen die Frau mit ihren Gefühlen und wir sehen die Probleme, die die Verzögerung auslöst. Der Fokus liegt auf den Konsequenzen der Verzögerung und auf der Empathie mit der Kundin.

„Es tut uns leid, dass …“ heißt noch lange nicht, dass wir die Schuld auf uns nehmen oder vier Verantwortung übernehmen. Es heißt lediglich, dass wir Mitgefühl haben, und sehen, dass die Kundin in eine unangenehme Situation geraten ist.

Ich verstehe oder sehe, dass …

Auch „Ich verstehe/sehe, dass …“ zeigt, dass wir nicht immun sind gegen das „Leid“ des Gegenübers. Wir schicken ein Signal auf Beziehungsebene aus. Bevor wir auf Sachebene antworten. Auch hier bedeutet es noch lange nicht, dass die Schuld bei uns zu suchen ist.

Wenn wir sofort in die Defensive gehen, erklären, wie super wir eigentlich arbeiten, oder ausschließlich auf Sachebene reagieren, werden wir die Kundin nicht erreichen. Diese nicht und alle anderen auch nicht. Fühlen sich Kund:innen in ihrer Emotion und in ihrem Problem aber einmal gehört und verstanden, werden sie offener sein für eine Sachlösung.

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Mehr, viel mehr hilfreiche Tipps erhalten Sie in unseren Seminaren und Coachings.

 

Softskills der Zukunft: Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Empathie

Das sind die Skills der Zukunft
© Hernstein Management Report 2024

Der aktuelle Hernstein Management Report geht der Frage nach, welche Fähigkeiten Mitarbeiter:innen in der Zukunft brauchen. Das Ergebnis überrascht: hauptsächlich Sozialkompetenz und sogenannte Softskills.

In manchen Kreisen werden Softskills ja immer noch belächelt. Da gelten persönliche oder zwischenmenschliche Fähigkeiten als nachrangig und nur fachliche Qualifikationen haben einen Wert. Die sind ja auch so schön quantifizier- und messbar. Andererseits kommen immer mehr Studien zum Ergebnis, dass unsere Welt in Zukunft ganz andere Fähigkeiten erfordern wird – so zuletzt der aktuellen Hernstein Management Report (2024). „Welche Skills sind in Zukunft bei Mitarbeiter:innen von Bedeutung?“, wurden 1.600 repräsentativ ausgewählte Führungskräfte und Unternehmer*innen (600 aus Österreich, 1.000 aus Deutschland) im Sommer 2024 gefragt.

Das Ergebnis überraschte in seiner Deutlichkeit selbst uns: Ungestützt nennen 25 Prozent der Interviewten Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, dahinter schließt mit 23 Prozent Empathie an. Erst weit abgeschlagen mit 16 Prozent folgt an dritter Stelle „Tech und digitale Skills“. Und dann kommen schon wieder „weiche“ Kompetenzen, etwa „Selbständigkeit“ (12 Prozent) und „Auffassungsgabe, Mitdenken“ (10 Prozent). Der Report folgert: „Umfeldbedingungen ändern sich laufend und deshalb werden neue Stärken wie Flexibilität und Anpassungsfähigkeit am Arbeitsmarkt gefragter.“

Unser Fortbildungsprogramm für Softskills

Für ein Trainerduo, das Fortbildungen in den Bereichen Kommunikation, Kooperation und Kreativität anbietet, ist das wie eine dicke Schicht Nutella am Brot. Natürlich vermitteln wir in Workshops zu Themen wie Textkompetenz, Gesprächsführung, Teamarbeit oder Storytelling auch knallharte Fakten und Handlungsanleitungen, aber letztlich geht es dabei immer auch um soziale Fähigkeiten. In der Praxis erwachen plötzlich Qualitäten, die vorher nur vor sich hinschlummerten. Und ja, wir setzen in unseren Seminaren stark auf Übungen und (wir sagen es ganz leise) Spiele. „Wir sind ernsthaft, wir spielen nicht!“ heißt es gern skeptisch. Doch im Spiel entsteht ein sicherer Raum, um Neues auszuprobieren, Fehler zuzulassen – und zu lernen. Denn die menschliche Entwicklung braucht auch das Spiel, um zu lernen, das ist ein Fakt.

Seit über 20 Jahren beschäftigen wir beide uns mit Improvisationstheater. Die Übungen zur Vorbereitung auf das spontane Agieren auf der Bühne sind daher ein unverzichtbarer Bestandteil einiger unserer Workshops geworden. Dass sie Wissen tiefer sinken und Menschen mutiger werden lassen, beobachten wir seit Beginn unserer Trainertätigkeit. Ein eigenes Seminar, Improkommunikation, baut ausschließlich auf die Übersetzung von Improtheater-Skills in Kommunikationssituationen des Alltags. Hier trainieren wir genau die Fähigkeiten, die der Hernstein Mangement Report in der Zukunft benötigt sieht: Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Empathie, Selbständigkeit, Auffassungsgsabe und Mitdenken.

Die Zukunft ist ungewiss, so viel ist gewiss. Wenn wir uns irgendwie darauf vorbreiten wollen, dann sollten wir unsere Sozialkompetenz stärken. Das sagen wir. Aber das sagen auch 1.600 Manager und Managerinnen.

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Hier finden Sie die Angebote von WORT & WEISE im Überblick als pdf auf zwei Seiten

Bühne frei für zwei: zu zweit präsentieren

Ob Vortrag, Projektvorstellung oder Pitch: Wenn zwei Menschen gemeinsam präsentieren, kann das die Wirkung verdoppeln – oder halbieren. Lesen Sie hier, worauf es für eine souveräne Performance zu zweit ankommt.
Abstimmung hilft: bis hin zur Farbe der Karten

Honolulu, Februar 1996. Ein junges Kleinkunstduo steht in der Fußgängerzone und versucht sich an seinem ersten Straßenauftritt, vollgepackt mit Erfahrungen aus einer Woche Festival mit Bühnenshows und Workshops von Profis der Szene. Sie haben dort gesehen, wie es geht: Ein gutes Programm reicht nicht. Man muss offensiv auf die Leute zugehen, das Programm energisch brüllend ankündigen, Menschen gezielt ansprechen und so Publikum keilen. Während die beiden ihre Requisiten vorbereiten, erwarten sie, dass der jeweils andere diese Aufgabe übernimmt. Es passiert nicht. Denn: Keinem von beidem liegt es. Ihr Auftritt findet letztlich beinahe unbemerkt statt. Im Nachhinein sind sie froh, dass sie in Honolulu niemand kannte.

Mit einer eingehenden Reflexion dieser Erfahrung starteten wir unsere Arbeit als Bühnenduo. Drei Jahrzehnte später sind wir ein Trainerduo, das mit viel Freude für sich selbst und für das Publikum Workshops, Klausuren und Vorträge zu zweit hält und noch viel länger zu zweit moderiert. Wir haben gelernt, wie man Fehler beim Präsentieren zu zweit vermeidet. Und zwar so:

Vorbereitung und Reflexion der eigenen Fähigkeiten

Eine häufig verbreitete Regel lautet, dass Zweierteams unterschiedlich sein und sich ergänzen müssen. Nun, ganz so einfach ist es nicht. Auf unser Beispiel oben trifft jedoch zu, dass wir unsere Rollen und Fähigkeiten nicht ausreichend vorab reflektiert hatten. Wir sind zwar in vielen Bereichen verschieden, aber in der Abneigung, marktschreierisch auf uns aufmerksam zu machen, treffen wir uns. Das ist übrigens bis heute so. Das ist für einen Straßenauftritt nicht förderlich. Aber wir hätten uns Alternativen überlegen können, wie wir auf uns aufmerksam machen, hätten wir das vorher erkannt und besprochen – und nicht erst beim Auftritt selbst unangenehm erfahren. Der Misserfolg lag nicht darin, dass wir eine gemeinsame Schwäche hatten – sondern dass wir sie nicht vorab erkannt und eine Lösung gesucht hatten.

Das heißt für Präsentationen und Vorträge zu zweit: Reflektieren Sie vorab gemeinsam die unterschiedlichen Ressourcen der beiden Personen im Zweierteam. Welche Aufgaben müssen unbedingt besetzt sein? Wie kann man sie sich aufteilen? Was kann und was macht jede:r gern? Was nicht? Wie gehen Sie damit um? Welche Stolperfallen gibt es noch? Wo helfen Ihnen ähnliche Eigenschaften? Wo stehen Sie Ihnen im Weg? Und wie können Sie allfällige Unterschiede produktiv nützen?

Rollen reflektieren

Mit der Verteilung der Aufgaben ist auch die der Rollen verknüpft: Je nach Art des Vortrags lassen sie sich unterschiedlich gewichten. In jedem Fall braucht es Ausgewogenheit. Wenn nur eine:r Monologe hält und der oder die andere einfach nur lieb lächelt, wird die Dynamik geringer sein, als wenn beide gleich viel Verantwortung tragen.

Aufgaben lassen sich sowohl organisatorisch als auch thematisch verteilen: Wird eine:r eher auf den Rahmen (Begrüßung, Überleitungen, Fallbeispiele und Anekdoten, Moderation von Diskussionen) achten und die andere Person vielleicht eher den theoretischen Input beisteuern?

Lassen sich Themenblöcke aufteilen? Wie verteilen sich die Rollen bei einer Diskussion? Wer stellt die Fragen, wer gibt bei welchem Thema Antwort? Hilfreich ist es, hier vorab für Klarheit zu sorgen.

Abgesehen davon lässt sich mit Rollen und Gegensätzen auch wunderbar spielen. Kommt vielleicht eine:r aus der Praxis und bringt immer jeweils andere Standpunkte ein? Vertritt eine:r die Sicht der Kundschaft? Will man Unterschiede für einen zusätzlichen Unterhaltungswert herausstreichen (z. B. schnelles versus langsames Sprechen, Mann/Frau, groß/klein, chaotisch/organisiert, kritisch/geradlinig), dann muss man das sehr gut einüben! Sie können aber auch darauf setzen, bewusst eine Einheit zu bilden.

Abstimmung und Timing

In jedem Fall gilt: Sie müssen als Team erkennbar sein. Es kommt nicht gut, wenn der Kleidungsstil der beiden nicht zusammenpasst oder wenn der eine große A4-Blätter als Handouts dabeihat und abliest, die andere aber frei spricht und Augenkontakt hält. Unterschiede sind nur dann gut, wenn Sie bewusst auf sie setzen, um den Unterhaltungswert mit Absicht zu erhöhen – und nicht unfreiwillig komisch wirken!

Aber auch im Timing braucht es Abstimmung. Finden Sie vorab passende Überleitungen und übergeben Sie an Ihr Gegenüber – sprachlich und körpersprachlich. Wenn Sie etwa mit „Und wie es mit … weitergeht, erfahren Sie nun von meiner Kollegin“ übergeben, aber weiterhin vorne stehenbleiben, während Ihre Kollegin sich hinterm Pult versteckt, nehmen Sie ihr den Fokus.

Achten Sie auch auf Ausgewogenheit und Abwechslung. Mit zwei aufeinanderfolgenden Monologen nützen Sie das Potenzial als Duo nicht aus. Wechseln Sie sich ab und gehen Sie beim Übernehmen des Worts aufeinander ein.

Fokus

Üblicherweise hat die Person, die spricht, die volle Aufmerksamkeit. Es sei denn, die andere Person macht in der Zwischenzeit etwas, das die Zuhörenden lustiger oder interessanter finden. Stellen Sie sich einen Redner vor – und plötzlich läuft ein kleines Kind mit einem Teddybären auf die Bühne. Wen schauen die Leute an? Hören sie noch zu? Sicher nicht!

Wenn Sie zu zweit präsentieren, achten Sie darauf, dass klar ist, wer gerade den Fokus hat. Tun Sie nichts, was die Wirkung Ihres Partners schmälert. Im Gegenteil. Zwei Personen können sich praktischerweise Aufgaben aufteilen. Während eine:r spricht, zeigt der oder die andere Anschauungsmaterial, illustriert das eben Gesagte mit Gesten oder auch Zeichnungen auf dem Flipchart, bedient die Folien … oder hält sich dezent, aber aufmerksam im Hintergrund, wenn er oder sie gerade nichts zu tun hat.

Backup

Zu zweit zu präsentieren kann herrlich entspannt sein, weil man die Verantwortung teilt. Fällt mir ein Wort nicht ein, springt mein Gegenüber ein. Hat die andere Person, weil sie frei spricht, einen Aspekt unerwähnt gelassen, kann ich ergänzen. Fällt mir keine Antwort auf eine Frage ein, weiß vielleicht er oder sie die Antwort.

Hier braucht es allerdings Feingefühl. Den Partner zu unterbrechen oder auszubessern schmälert die Wirkung einer Doppelconference (außer wiederum, es ist so gewollt. Dann kann es lustig sein)!

Unterlagen

Falls Sie mit Powerpoint, Prezi oder vergleichbaren Tools arbeiten, überlassen Sie die Vorbereitung nicht einer Einzelperson. Es gibt nichts Schlimmeres, als Vorträge zu fremden Folien zu halten. Nützen Sie die Chance, zu zweit zu sein: Sie können bei der Visualisierung viel variantenreicher agieren als allein, etwa einmal einen Dialog einbauen.

Üben

Sprechen Sie den Vortrag vorab gemeinsam durch. Vor allem die Begrüßung und die Verabschiedung sollten wirklich nahtlos funktionieren. Und machen Sie sich aus, wie Sie auf Störungen reagieren wollen – und wer es übernimmt.

Wenn Sie all das beherzigen, gehen Sie nicht nur gut vorbereitet in Ihre Präsentation zu zweit, sie werden auch viel Spaß dabei haben! Wir können jedenfalls sagen: Die Arbeit vorab lohnt sich. Und wenn etwas nicht so gut geklappt hat: Reflektieren Sie es danach, geben Sie einander wertschätzendes Feedback. So haben wir es 1996 in Honolulu begonnen – und so setzen wir es bis heute fort.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Präsentieren zu zweit. Wenn Sie noch Fragen oder weitere Tipps haben, schreiben Sie sie einfach unten in die Kommentare!

 

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Text-Tandems: zu zweit schreiben

Viele Verfasser verderben den Text nicht unbedingt, so wie auch viele Köche nicht jeden Brei verderben.Zu zweit einen Text verfassen, kann das gehen? Ja, wenn Sie die folgenden fünf Ratschläge befolgen.

Schreiben ist ein individueller Akt. Einerseits. Andererseits kann ein Text auch davon profitieren, wenn das Wissen, die Gedanken und die Perspektiven mehrerer Menschen einfließen. Freilich ist es hilfreich, ein paar Aspekte zu beachten, damit das gemeinsame Projekt nicht auf Kosten der Beziehung oder der Zukunft als Zweierteams geht.

Bereiten Sie sich gemeinsam vor

Vieles, was Sie als alleinige*r Verfasser*in im Kopf haben, ist für Sie eine Selbstverständlichkeit oder Ihnen vielleicht nicht einmal bewusst. Wenn Sie einen Text zu zweit schreiben, müssen Sie daher ein paar Fragen im Vorfeld klären, damit Sie eine gemeinsame Vorstellung vom Produkt und vom Weg dorthin haben. Beantworten Sie folgende Fragen gemeinsam oder einzeln und legen Sie die Antworten danach zusammen. So vermeiden Sie Überraschungen im Nachhinein.

  1. Als wer schreiben Sie? Welche Rollen haben Sie? Was erwarten Sie sich von dem Produkt?
  2. Wen wollen Sie mit dem Text erreichen? Was wissen Sie über Ihre Zielgruppe? Welche Sprache ist angemessen?
  3. Wozu schreiben Sie den Text? Was soll nach dem Lesen anders sein? Was sollen die Leser*innen nachher denken, wissen, fühlen oder tun?

Natürlich sollten Sie, was die Rahmenbedingungen betrifft, etwa die Länge des Textes oder die Art und die Bedingungen des Kanals, in dem der Text erscheint,  auf dem gleichen Wissensstand sein.

Klären Sie, welcher Stil (zu Ihnen) passt

Jeder Mensch schreibt ein wenig anders, weil in einen Text immer auch ein Stück der Persönlichkeit fließt. Das ist okay. Arbeiten Sie an einem Sammelband, hat es vielleicht sogar seinen Reiz, dass die Texte ganz verschieden daherkommen. Soll der Text aber aus einem sprachlichen Guss sein, ist es wichtig, dass Sie im Groben wissen, welcher Stil der richtige ist oder zumindest, wie sie Ihre verschiedenen Stile kombinieren. Wenn A auf wissenschaftliche Sprache setzt und B in Anekdoten schreibt, liegen A und B vermutlich zu weit auseinander. Hier könnten Sie auf unterschiedliche Textsorten in ein- und derselben Publikation setzen. Oder Sie teilen die Stile entsprechend der Themen auf. Klären sie außerdem vorab Formelles, etwa ob und wie Sie gendern und wie Sie mit Abkürzungen oder Fachausdrücken umgehen wollen.

Setzen Sie auf die Ping-Pong-Methode

Haben Sie einmal eine gemeinsame Grundlage geschaffen, kann es losgehen. Und da gilt es, aus verschiedenen Zugängen zu wählen. Kann jede*r von Ihnen etwas anderes gut oder ist bei einem Teilaspekt besonders firm? Dann bietet es sich an, die zu schreibenden Abschnitte entlang dieser Kompetenz-Grenzen zu definieren. Gibt es diese logische Aufteilung nicht, dann legen wir Ihnen die Ping-Pong-Methode ans Herz, die wir in einem Video ausführlich beschrieben haben. In aller Kürze: Eine Person (A) beginnt einfach mit dem Schreiben und übergibt, sobald sie nicht mehr mag oder weiterweiß, den unfertigen Text mit einem „ping“ der anderen Person (B). Der Vorteil für A: Der Druck, einen fertigen Text zu produzieren, fällt weg. Sie muss das Werk lediglich auf den Weg bringen, es darf aber eine Rohfassung sein und Lücken haben. Der Vorteil für B: Sie bekommt einen Draft, sie muss also nicht bei null beginnen, sondern lediglich an dem Text weiterarbeiten – einfügen, ausformulieren, ergänzen. Bis wiederum sie das Schriftstück an A zurückschickt: „pong“. So geht es immer weiter, bis das Hin und Her ein Ende findet, weil es nichts mehr zu ändern gibt.

Oder bestimmen Sie eine letztverantwortliche Person

Wer von Ihnen ist fitter in Sachen Stil und Rechtschreibung? Der oder die wird einen letzten Blick darauf werfen, vielleicht die Texte zusammenführen, sie endkorrigieren und allzu große Unebenheiten glattbügeln. Noch besser und eine gute Möglichkeit für den Fall, dass Sie sich nicht einigen können, ist es, eine externe Person zu Rate zu ziehen. Ob Sie allein oder zu zweit schreiben, ob Sie Laie oder Sprach-Profi sind: Bei eigenen Texten müssen wir mit blinden Flecken rechnen!

Stecken Sie Eitelkeiten zurück

Wenn zwei Menschen einen Schneemann bauen, sollte sich in der Skulptur die Handschrift von zwei Schneemannbauer*innen finden. Das ist normal und schön. Das heißt aber auch, dass sich nicht einer oder eine durchsetzen kann. Sonst ist es besser, man baut zwei Schneemänner nebeneinander. So ist es auch mit einem Schriftwerk. Akzeptieren Sie, dass es, wenn sie es zu zweit schreiben, ein wenig anders wird, als wenn Sie es alleine verfasst hätten, und freuen Sie sich, dass sie etwas Gemeinsames geschaffen haben.

Und hier ist noch einmal  unser Youtube-Video zur Pingpong-Methode:

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Improvisation + Kommunikation = Improkommunikation

Erkenntnisse und Übungen aus dem Improvisationstheater helfen, unsere Kommunikation zu verbessern und auch in unvorbereiteten Situationen Haltung zu bewahren. Das ist Improkommunikation. Und nein, fürchten muss sich davor niemand.
Improtheater hilft, mit oder ohne Bühne.
Der Autor steht selbst seit vielen Jahren mit seiner Impro-Gruppe „Hauptsache g’sund!“ auf der Bühne.

Zwei Menschen (A und B) begegnen sich auf einer leeren Bühne. A hat sich aus einem Impuls heraus dafür entschieden, leicht gebückt zu gehen. B sieht die leicht gekrümmte Haltung seines Schauspielkollegen und trifft darauf aufbauend ebenfalls eine Entscheidung. Er sagt: „Opa, zwickt es heute wieder im Rücken? Komm, setzt dich doch in den Fernsehstuhl!“ A, der vermeintliche Opa, nimmt das Angebot an mit den Worten: „Danke, mein lieber Leon, wenn ich dich nicht hätte!“ Wir sind mitten in einer Szene, die spontan entstanden und das Ergebnis von reiner Aktion und Reaktion ist.

Szenenwechsel: Das wöchentliche Büromeeting nimmt eine seltsame Wendung. Nach Herrn Krainers Routine-Bericht steht plötzlich der Abteilungsleiter auf und kritisiert vor versammelter Mannschaft genau jene Punkte in der Präsentation, die er selbst erst zwei Tage zuvor eingefordert hatte. Herr Krainer ist empört, sein Herz pocht wild. Doch er behält die Ruhe, wiederholt, was sein Vorgesetzter bemängelt, und antwortet langsam und sachlich auf die Einwände. Am Ende schlägt er vor, dass sie sich noch einmal zu zweit zusammensetzen. Beim Hinausgehen klopft ihm eine Kollegin auf die Schulter: „Gut pariert.“

Was die beiden geschilderten „Szenen“ gemeinsam haben? In beiden Fällen ging es um Kommunikation und beide Male mussten Menschen improvisieren – einmal freiwillig und einmal aus der Not heraus. So wie wir tagtäglich.

Improkommunikation im Alltag

Routinen haben ihre Vorteile, sie helfen uns, aus der Erfahrung heraus zu agieren, aber wir können nicht immer auf sie zurückgreifen. Wenn nämlich unerwartete Dinge passieren, Menschen zum Beispiel anders agieren oder reagieren, als wir es gewohnt sind, müssen wir improvisieren. So wie Herr Krainer. Das können wir alle ein wenig, weil wir tagtäglich gefordert sind, doch manchen gelingt es besser als anderen. Kann man es also lernen, kann man darin besser werden?

Ja, Improvisation im Alltag kann man üben und verbessern! Und hier kommt Improvisationstheater, oder kurz: Improtheater, ins Spiel. Bei dieser Theaterform verzichten die Schauspieler und Schauspielerinnen auf fixe Texte und im Vorfeld vereinbarte Charaktere oder Skripten, alles entsteht im Moment. Das heißt aber nicht, dass sie nicht üben müssten. Was sie trainieren, sind, abgesehen von schauspielerischen Kenntnissen, ein paar Prinzipien oder Einstellungen, die ihnen beim Improvisieren helfen.

Wenn wir die Erkenntnisse des Improtheaters für uns nutze wollen, müssen wir weder auf eine Bühne steigen noch den Berufswunsch Schauspieler in uns tragen. Es hilft schon, die Prinzipien kennenzulernen und auszuprobieren. Zumindest seit den späten 1990ern versucht die so genannte „Applied Improvisation“, die Lehren aus dem Improtheater in den Alltag zu übertragen. Auch wir spielen seit über 20 Jahren Improtheater und fast genauso lange setzen wir  Übungen aus diesem Bereich in unseren Seminaren ein. Wir nennen das Improkommunikation (anstatt Applied Improvisation), weil wir die Übungen gezielt auf die Prinzipien der Kommunikation anwenden – mit dem Ziel, auch in schwierigen Situationen klar und konstruktiv zu reagieren.

Angst, die Komfortzone zu verlassen

So manche Teilnehmenden reagieren auf die Ankündigung einer „Übung“ oder gar eines „Spieles“ aus dem Improtheater  nicht unbedingt begeistert. Meist steckt die Angst, einen Fehler zu machen, dahinter. Tatsächlich müssen wir, um die Prinzipien der Improvisation zu üben, die eigene Komfortzone ein wenig verlassen. Doch wenn es in kleinen Schritten und im geschützten Raum passiert sowie achtsam angeleitet wird, passiert nichts. So verschwinden die Ängste rasch. Ein Stück Improvisation ist gelernt – und damit ein neuer Umgang mit einer Situation. Und das Feedback selbst kritischer Geister ist danach immer ähnlich: „Ich hatte Vorbehalte, aber dann war es wirklich lustig, bereichernd und spannend.“

Lesen Sie weiter zu unserem Workshop-Angebot zu Improkommunikation oder melden Sie sich bei uns für weitere Informationen.

Training oder Coaching zu Improkommunikation anfragen

Tipps und Thesen zum Einsatz von KI beim Texten

  10  Ansätze, wie Sie beim Schreiben künstlich Intelligenz (KI) nutzen

Chatgpt hilft beim Texten.

  1. Man kann der KI insgesamt negativ gegenüberstehen und viele gesamtgesellschaftliche Nachteile sehen; dennoch ist sie gekommen, um zu bleiben.
  2. Es ist immer noch völlig unklar, was mit in KI-Systemen eingespeicherten Texten passiert. Oder anders: Seien Sie vorsichtig mit sensiblen Daten!
  3. Die KI wird mit jedem Monat besser. Viele Probleme, die es beim Start von ChatGPT im November 2022 noch gab, sind mit neueren Versionen verschwunden.
  4. Die KI „halluziniert“ immer noch, das heißt sie füllt inhaltliche Lücken mit Erfundenem. Zwar erlauben immer mehr Programme Zugriff auf aktuell verfügbares Internet-Wissen, inhaltlich ist auf künstliche Intelligenz aber (noch) kein Verlass.
  5. Die KI hat einen bestimmten Stil, solange man nicht nachpromptet. Dieser Stil ist in der Regel sehr blumig und nah am Werbesprech. Weitere typische Merkmale: Phrasen und Floskeln („in der heutigen Welt“, „eine Rolle spielen“, „ist entscheidend“, „wichtige Tipps“), uninspirierte Einleitungen und Zusammenfassungen am Ende von Absätzen oder Artikeln (sog. Closer), keine oder kaum Rechtschreib-/Grammatikfehler, fehlende Kontextualisierung, häufige Verwendung von Hilfsverben (können, werden);  der Text klingt zwar gut, aber der Inhalt ist zu stark komprimiert, weil kein „natürlicher“ Denkvorgang dahinter steckt. Daher ist er schwerer zu verstehen, obwohl der Text sprachlich glatt wirkt.
  6. Je genauer man in Bezug auf Inhalt und Stil (nach)promptet, desto besser wird der Text. Die erste Version ist selten ausreichend.
  7. Auch oder gerade wer mit KI arbeitet, muss sehr genau über die Rolle des Schreibenden, das Ziel und die Zielgruppe Bescheid wissen. Diese Arbeit bleibt Ihnen also auf keinen Fall erspart!
  8. KI-Texte mögen gut sein, sie sind aber niemals authentisch, weil sie ganz einfach nicht von Ihnen, sondern von einem Algorithmus stammen. Je mehr Sie nachprompten und -bessern, desto eher bekommt der Text Ihre Note.
  9. Die KI ist ein wunderbarer Ideengeber für erste Entwürfe und ein Sparringpartner bei der Ideensuche. Die KI kann sich auch in die Rolle der Leser:innen versetzen und uns so bei der Textplanung auf die Sprünge helfen. Sie eignet sich auch gut zum Strukturieren von Texten. Und schließlich unterstützt sie uns auch dabei, fertige Texte zu überarbeiten, etwa grammatikalische Fehler herauszufiltern oder – nach entsprechender Angabe – bestimmte Stilschwächen auszumerzen
  10. Schreiben ist ein Prozess, der viele Funktionen haben kann. Nicht immer geht es nur um den fertigen Text. Wenn Sie ausschließlich auf KI setzen, dann fallen positive Qualitäten des Schreibens, etwa der Erkenntnisprozess, die Selbstreflexion oder die Ordnung des Gedanken- oder Gefühlschaos, weg.

 

KI ist ein Werkzeug. Je genauer man weiß, wofür man es einsetzt und wie man es benutzt, desto besser funktioniert es auch. Holen Sie sich das Basis-Textwissen, um – mit oder ohne künstliche Intelligenz – ziel- und zielgruppenorientiert zu schreiben!

Texttraining oder -coaching anfragen

Moderation für die Koalition

Österreich hat seit 140 Tagen keine neue Regierung, weil bereits zwei Runden von Koalitionsverhandlungen gescheitert sind. Erst konnten sich die Parteispitzen von ÖVP, SPÖ und NEOS nicht einigen, dann gingen jene von ÖVP und FPÖ ohne Ergebnis auseinander. Eine externe Moderation hätte vermutlich geholfen.

von Roman Kellner und Elisabeth Gräf

Koalitionsgespräche besser mit ModerationVorweg: Wir sind nicht naiv. Wir wissen, dass es bei Politik und damit bei Koalitionsverhandlungen um Macht geht, Partikularinteressen und Pfründe sind im Spiel, auch Interessen und Intrigen. Da wird um Maßnahmen und Zugeständnisse gerungen und um Prozente und Posten gefeilscht.

Es geht um etwas. Aber am Ende soll eine Lösung, idealerweise in Form einer Einigung, herausschauen. Und das läuft in der Regel schneller und angenehmer für alle Involvierten ab, wenn eine hochprofessionelle Moderation den Prozess begleitet. Damit sitzt mit den Streitparteien jemand am Tisch, der neutral und mit Äquidistanz zu allen Beteiligten das große Ziel vor Augen hat – jenseits der Partikularinteressen. Das ist der Job einer externen Moderation. Niemand ist als Mensch neutral, doch in der Funktion des Moderators ist das sehr wohl möglich. Er oder sie achtet darauf, dass alle zum Zug kommen, dass alle gehört werden und das große Ganze nicht aus dem Blickfeld gerät.

Koalitionsverhandlungen mögen besonders folgenreich sein, und doch sind es im Grunde Gespräche zwischen Menschen wie anderswo auch. Diese haben bestimmte Vorstellungen und Ziele, Gefühle und Bedürfnisse, Werte und Verpflichtungen – kurz: unterschiedliche Wirklichkeiten. Eine Moderation hilft dabei, diese Wirklichkeiten in Verbindung zu bringen.

Die Aufgaben einer Moderation

Viele denken bei Moderation an Nachrichtensprecherinnen oder Abendshows, doch hier geht es um etwas anderes: „Moderation ist „eine strukturgebende Einflussnahme einer inhaltlich neutralen, außenstehenden Person auf den Kommunikationsprozess einer Gruppe“, so definiert es Redlich 1997.

Die Moderation strukturiert die Kommunikation und nimmt der Gruppe, in diesem Fall den Verhandler:innen, einige Aufgaben ab:

  • Sie begleitet sie schon zu Beginn bei der Suche nach einer gemeinsamen Zielvorstellung. Sie achtet darauf, dass diese für alle passt, verbündet sich damit und behält dieses gemeinsame große Ziel den gesamten Prozess über im Auge.
  • Sie achtet auf Äquidistanz, ist also allparteilich und bevorzugt niemanden. Wenn man das einer Einzelperson nicht zutraut, bewährt sich vielleicht eine Moderation im Duo, und die muss nicht aus dem betroffenen Land kommen.
  • Die Moderation strukturiert den Prozess und zieht, wenn nötig, Methodenpfeile aus ihrem Köcher, die destruktive Verhandlungsmuster auch einmal durchbrechen.
  • Sie behält die Zeit und auch die Energie der Gruppe im Auge, sie erkennt, wann eine Pause notwendig ist.
  • Sie sorgt für die Sicherheit der Teilnehmenden, indem sie zum Beispiel auf den Ton achtet oder darauf, dass alle ausreichend Raum bekommen.

Wir ahnen, was Sie sich nun denken: „In welcher Traumwelt lebt ihr? Das ist doch knallharte Politik, da gewinnt der Stärkere. Bei Verhandlungen geht es ums Gewinnen, hier braucht es kein Achten auf Befindlichkeiten.“ Allein: Die Politiker:innen sollen dann ja vier oder fünf Jahre zusammenarbeiten. Klar, das müssen sie dann auch ohne Moderation schaffen. Aber wäre es nicht sinnvoll, die Augenhöhe schon in den Koalitionsverhandlungen gut zu verankern, bevor Porzellan zerschlagen wird?

Die Vertrauensfrage

Eine früher hochrangige Politikerin meinte im Gespräch mit uns, eine Moderation sei aus einem weiteren Grund undenkbar: Niemand würde einer externen Person vertrauen, aus Angst, es könnte etwas nach außen dringen. Aber ließe sich dem nicht begegnen? Es gibt sensible Branchen, bei denen Verträge, zum Teil mit hohen Pönalen im Falle einer Verschwiegenheitsverletzung, gang und gäbe sind. Auch wir haben schon solche Erklärungen unterzeichnet.

Ein weiterer Punkt für die Moderation: Es handelt sich bei den Verhandelnden um gewählte Volksvertreter:innen, die mit einem Resultat aus den Gesprächen kommen möchten, ja sogar müssen! Wer darauf achtet, dass alle ein Ergebnis heimbringen, kann einerseits früh aufzeigen, falls Differenzen unüberbrückbar und weitere Gespräche nicht aussichtsreich sind – dann wird Zeit gespart. Andererseits wird ein Kompromiss wahrscheinlicher.

Der Weg zum Kompromiss

Denn am Ende wird bei Koalitionsverhandlungen ein Kompromiss stehen. Laut Bundespräsident van der Bellen ist dieser aber „in Verruf geraten“. Am 12. Februar 2025, am Tag nach dem Scheitern der zweiten Verhandlungsrunde, meinte er (auf Youtube nachzusehen):

„Irgendwann hat sich die Meinung eingeschlichen, dass einen Kompromiss zu schließen etwas für Verlierer ist. Dabei ist es nur ein anderes Wort für eine gemeinsame Lösung und wenn jeder auf seinem Standpunkt beharrt, dann gibt es eben keine Lösung. […] Es geht nicht darum, immer einer Meinung zu sein, ganz im Gegenteil. Aber um zu einem Kompromiss zu kommen, muss man akzeptieren, dass die andere Meinung genauso zählt wie die eigene. […] Aus dem eigenen Standpunkt A und dem Standpunkt B des anderen kann dann sehr oft ein neuer, besserer Standpunkt C resultieren.“

Der Weg dahin ist steinig. Eine Moderation hilft, Steine aus dem Weg zu räumen.

In diesem Blog geht es ja nur selten um Politik, aber, wenn Sie dieser Beitrag interssiert hat dann ist vielleicht auch unsere Analyse der Wahlplakate vor der vergangenen Nationalratswahl etwas für Sie.

Mir fällt nichts ein!

Immer wieder meinen Teilnehmer*innen in unseren Seminaren für Kreativitätstechniken: „Mir fällt nichts ein.“ Und Hand aufs Herz, wer von uns hat das nicht schon frustriert geseufzt? Dabei steckt in dieser Äußerung bereits die Antwort auf das Problem.

Das Wort Kreativität kommt vom lateinischen Wort creare, was schaffen oder hervorbringen bedeutet. Da ist also durchaus von etwas Aktivem die Rede: Man muss etwas tun, um Ideen zu erhalten, sie fallen einem nicht einfach zu. Das mag irritierend sein, haben wir nicht alle das Bild vom Künstler im Kopf, der beim Spaziergang mit einer Idee heimkehrt, vom Genie, das beim Nichtstun von der Muse geküsst wird? Ich will dieses Bild nicht völlig verwerfen und werde am Ende auch noch einmal darauf zurückkommen. Doch es ist eben nur ein Teil der Wahrheit. Ohne Anstrengung, ohne Auseinandersetzung mit einem Thema und vor allem ohne Perspektivenwechsel wird der Geistesblitz fernbleiben.

Ich möchte das anhand einer Übung zeigen, die wir gerne in unseren Schreibseminaren einsetzen. Sie hilft, den aktiven Wortschatz zu erweitern und damit Wortwiederholungen zu vermeiden. Und sie funktioniert so: Wir geben den Teilnehmer*innen ein sehr neutrales und häufig gebrauchtes Verb, etwa essen, gehen oder sagen. Nun lautet die Aufgabe, 2,5 Minuten lang möglichst viele Synonyme zu finden. Wir weisen extra darauf hin, dass die Bedeutungsgleichheit auch nur in bestimmten Situationen bestehen darf. So könnte man das Wort gehen situativ passend durch Wörter wie schlendern, eintreten, waten, hetzen, staksen oder schweben ersetzen. Es gäbe wohl weit über hundert Möglichkeiten.

Nachdem die Zeit verstrichen ist, lassen wir die Teilnehmer*innen ihre gefundenen Wörter zählen. Die Bandbreite reicht da von vier oder fünf bis zu 25 Wörtern. Auch hier hören wir immer wieder den Satz: „Mir ist nichts eingefallen.“ Jetzt stelle ich die Frage an jene in der Runde, die die meisten Wörter gefunden haben: „Wie seid ihr vorgegangen? Was habt ihr in der Zeit gemacht?“

Gedanken auf die Reise schicken

Und nun zeigt sich regelmäßig, dass jene, die viele Synonyme auf ihren Zetteln notiert haben, aktiver waren. Sie haben sich auf die Suche begeben, sich Fragen gestellt und ihre Gedanken auf Reise geschickt. Am Beispiel gehen: Wie geht ein König am roten Teppich, eine Managerin am Weg zum Meeting, ein Kind nach der Schule? Wie gehen Soldaten, Models oder alte Menschen? Wie geht jemand unter Zeitdruck, wie jemand, der kein Ziel hat? Wie geht jemand in Turnschuhen, wie in High Heels oder in schweren Stiefeln?

Wenn wir uns solche Fragen stellen, wenn wir Situationen kreieren, ändern, wegschieben und durch neue ersetzen, kurz: die Richtung der Gedanken verändern, dann kommen wir auf Neues. Das Geheimnis lautet: Perspektivenwechsel. Und das wiederum könnte man fast als Synonym für Kreativität verwenden.

Was nicht funktioniert: dasitzen und warten, dass einem Synonyme oder eben Ideen einfallen. Tut man das, bleibt hernach tatsächlich oft nur ein: „Mir fällt nichts ein.“

Die passive Seite der Kreativität

Und doch: Zum Abschluss kommt noch eine kleine Rettung der passiven Seite von Kreativität. Einige Bücher bringen den Begriff der Kreativität auch mit dem lateinischen Wort crescere in Verbindung, was gedeihen, wachsen oder entstehen bedeutet. Die Herleitung ist zwar falsch, weil die beiden Wörter etymologisch nichts miteinander zu tun haben, sie weist uns aber auf die passive Seite von Kreativität hin. Denn: Ja, die gibt es auch! Das Unterbewusste, der Schlaf, die Ruhe sind natürlich auch wunderbare Ideenlieferanten. Manchmal muss man Dinge sich setzen lassen, wir kennen es als drüberschlafen, um dann – immer wieder aufs Neue überrascht – festzustellen, dass die Muse etwas abgeliefert hat. Doch die Wahrheit ist: Da hat man sich zuvor ausführlich mit einem Thema beschäftigt! Die Lehre daraus: aktiv an etwas arbeiten – Sie wissen schon: Gedanken auf die Reise schicken … und dann ruhen lassen. Und siehe: Mir fällt etwas ein.

Mehr Infos finden Sie in diesem Blog-Beitrag über Perspektivenwechsel!

Sie brauchen Hilfe dabei, als Einzelperson oder als Team ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, dann schauen Sie doch unsere Angebote durch.

Kreativitätscoaching oder Seminar gleich anfragen!

Wahlplakate 2024: Wie Botschaften wirken

Vor der Nationalratswahl im September 2024 verwandelt sich der öffentliche Raum in ein Dickicht politischer Slogans und Appelle. Machen wir das Beste daraus und lernen an den plakatierten Beispielen, wie Texte wirken – und warum. Hier eine Analyse einiger Wahlplakate.

ÖVP – Bedürfnisse der Mitte

Wahlplakate der ÖVP: Stabilität für Österreich.Die ÖVP kommt auf ihren Plakaten – schon traditionell – mit wenig Text und wenig konkreten Inhalt aus. Hat schon Sebastian Kurz im Jahr 2019 mit „Klarheit schaffen. Kurz wählen!“ geworben, folgt ihm Bundeskanzler Nehammer mit „Stabilität für Österreich.“ oder „Sicherheit für Wien.“ Klarheit, Sicherheit und Stabilität sind Grundbedürfnisse aller Menschen, etwas, zu dem jeder und jede nickt, einfach, weil wir das alle brauchen – auch wenn natürlich völlig unklar bleibt, wie diese Bedürfnisse im konkreten Fall durch die wahlwerbende Partei befriedigt werden.

Darüber hinaus handelt es sich um extrem kurze Aussagen mit nur einem Element. Und egal, welchen Kulturkreis man sich in Hinblick auf Zahlensymbolik ansieht: Immer steht die eins, das eine Element für eine Einheit, die keine weitere Interpretation zulässt und Kraft vermittelt. Passend dazu geben sich die abgebildeten Personen seriös gekleidet und staatstragend. Mit „Wir. Die starke Mitte.“ oder mit „Die Mitte stärken.“ möchte sich die ÖVP von der SPÖ, besonders aber von der FPÖ abgrenzen, die oft als am rechten Rand bezeichnet wird – auch wenn die Analysen den Wahlprogrammen dieser beiden Parteien eine sehr große Überschneidung attestieren.

SPÖ – mit Herz und Hirn

SPÖ: Mit Herz und HirnWährend die ÖVP auf Ein-Element-Botschaften setzt, bietet die SPÖ zwei Elemente an: „Mit Herz + Hirn“ ist Teil fast aller ihrer Plakate. Zwei Elemente stehen üblicherweise für Vergleich und Kontrast, den Wähler*innen soll vermittelt werden: „Wir sind menschlich, aber auch kompetent.“

Interessant, dass das Herz, aus unserer Sicht etwas unglücklich, als Piktogramm dargestellt ist. Auch die SPÖ ist inhaltlich recht farblos, konkrete Umsetzungsstrategien oder Themen aus dem Wahlprogramm fehlen. Sie versucht hingegen auf einigen Wahlplakaten, mit der direkten Anrede und Slogans wie „Für dein besseres Österreich“ oder „Mit Herz und Hirn für deine Kinder“ Nähe und persönliche Betroffenheit herzustellen.

FPÖ – plakativ suggestiv

Wahlplakate der FPÖ: Euer Wille gescheheDie FPÖ, in den Umfragen auf Platz eins, verzichtet heuer auf den ganz großen Tabubruch. Komplett ohne geht es freilich auch nicht. Mit „EUER WILLE GESCHEHE“ klaut man aus dem Vater unser, dreht allerdings Ursache-Wirkung um. Mit demselben Stilmittel der Umkehrung arbeitet der Spruch „IHR SEID DER CHEF – ICH EUER WERKZEUG“. Offen bleibt, ob es nicht vielleicht genau umgekehrt gedacht sein könnte.

Die religiöse Anspielung kann zwei Ziele haben: einerseits die Zustimmung aus der katholischen Wählerschicht durch das Betonen christlicher Werte – in Abgrenzung zum Islam. Andererseits sorgt die Provokation zumindest für Proteste aus der katholischen Kirche. So bleibt man im Gespräch.

Neu ist der pathetische Bezug auf religiöse Formulierungen nicht. Norbert Hofer setzte zum Beispiel bei der Bundespräsidentenwahl im Jahr 2016 auf „SO WAHR MIR GOTT HELFE“. Spannend ist, dass die FPÖ bei diesen Plakaten wie schon in der Vergangenheit wieder als einzige Partei die Personalpronomen im Plural verwendet, also kaum „du“ und „dein“, sondern hauptsächlich „ihr“ und „euer“. Das kennen wir zum Beispiel von Haiders „Sie sind gegen ihn, weil er für euch ist.“ Es wird als gar nicht so sehr der oder die einzelne angesprochen, sondern gleich eine ganze scheinbar homogene Gruppe. Diese Gruppenansprache ergänzt sehr gut jene Plakatserie, die dann doch einzelne direkt adressiert, etwa: „KICKL. DEIN HERZ SAGT JA.“ Das wiederum passt zu den religiösen Bezügen:  suggestiv, emotional aufgeladen und, ja, auch affirmativ. Geschickt und gefährlich.
Zusätzlich gibt es einen Appell, der offenbar potentielle Wähler*innen ermutigen soll, erstmals der FPÖ die Stimme zu geben: „ES BEGINNT MIT DIR/MUTIG NEUES WAGEN“.

Die grafische Gestaltung gibt sich mit sehr viel Weißraum seriös und nahezu unantastbar. Dazu die rot-weiß-rote Hand mit erhobenen Daumen. Auch das gab es 1985 schon.

Grüne – Wähl dies statt das

Grüne: Klima oder Krise?Die Grünen versuchen den Spagat, Klima- und Umweltschutz als zentrales Thema zu plakatieren und dennoch positiv zu bleiben. Alles dreht sich um den Spruch „WÄHL, ALS GÄB‘S EIN MORGEN.“ Nicht schlecht – wenn er verstanden wird.

Dazu transportieren ihre Wahlplakate Zwei-Element-Botschaften, die als Kontraste aufgebaut sind: „BÄUME ODER BETON?“, „KLIMA ODER KRISE?“ Das könnte man fast als ein wenig platt ansehen und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Klima zum Problem zu erklären, wo doch Klimaschutz gemeint ist. Das kennen wir schon aus der Vergangenheit, wo immer wieder Atom und Gen die offenbar unzumutbar langen Wörter Atomkraft und Gentechnologie ersetzten.

Thematische Einzelangebote stehen zusätzlich zur Verfügung: „WÄHL KLIMASCHUTZ“, „WÄHL VERANTWORTUNG“, „WÄHL NATURSCHUTZ“, „WÄHL MITEINANDER“ – eine sprachlich direktere Art, Themen zu besetzen, kann es kaum geben. Die Themen sollen hier die ausschlaggebende Motivation sein, das Kreuzchen bei Grün zu setzen. Zusätzlich sind diese Botschaften mit teilweise drastischen Bildern unterlegt. Vergleicht man die Plakatbilder mit den Verkleinerungen auf der Webseite, zeigt sich, dass nicht alle in der Vergrößerung eine positive Verstärkung bewirken, weil die übergroßen Gesichter, etwa bei „WÄHL MITEINANDER“, fast verzerrt scheinen.

Was uns außerdem auffiel: Bei „WÄHL VERNUNFT&ZUVERSICHT“ fehlen die Abstände vor und nach dem &-Zeichen. Für uns als Textprofis ist es immer ärgerlich, wenn sich Grafiker*innen durchsetzen und Rechtschreibregeln außer Kraft setzen.

NEOS – Hauptsache Kraft

Wahlplakate der NEOS, hier z. B. TRANS PARENZBei den NEOS dreht sich alles um Kraft – mal tritt sie in Verbindung mit Frontfrau Beate Meinl-Reisinger als „DIE ENTSCHEIDENDE KRAFT“, mal als „DIE VERBINDENDE KRAFT“ auf. Oder die Neos bezeichnen sich selbst als „REFORMKRAFT“, danach folgen schöne Alliterationen wie „FÜR ECHTE ENTLASTUNG“ oder „FÜR BESSERE BILDUNG“ und mehr oder eher weniger konkrete Forderungen wie „STEUERN SENKEN“ oder „FLÜGEL HEBEN“ – auch dies ein schöne Kontrastmetapher.

Haben wir bei den Grünen schon grammatikalische Fehler im Namen der Optik beanstandet, gilt das für die NEOS erst recht: Das abgeteilte Wort REFORM KRAFT ohne Satzzeichen ließe sich ja noch irgendwie argumentieren, aber TRANS PARENZ in zwei verschiedenen Zeilen geht einfach gar nicht. Ein fehlender Bindestrich ist und bleibt ein Fehler. Immerhin: Beim Plakat „POSTENSCHACHER stoppen“ hat das Werbeteam einen kurzen Strich nach Posten zugestanden.

KPÖ – eine Stimme für …

Wahlplakate der KPÖ: Eine Stimme für ...Die Kommunisten versuchen, den Wähler*innen-Stimmen einen ganz konkreten Sinn zu geben. Auf Einleitungen wie „EINE STIMME AUS DER PFLEGE“ oder „EINE STIMME FÜR LEISTBARES WOHNEN“ folgt der Standardsatz „Eine Stimme für die KPÖ“. Einerseits greifen sie damit auf das klassische, starke Stilmittel der Anapher zurück. Andererseits bilden sie so auch Zweierfiguren, die eine gedankliche Verknüpfung anstreben; ganz ähnlich finden wir das bei wirkungsvollen Werbeslogans, etwa „Have a break, have a KitKat.“

Optisch gestalten sich die Wahlplakate wild und bunt. Eine Textanalyse endet allerdings spätestens bei den Farben – so auch diese.

Was sind eure Eindrücke? Wir freuen uns über Ergänzungen und Kommentare.

Ergänzung/DISCLAIMER:
Wir vertreten hier keine Position einer bestimmten Partei und betreiben keine Wahlwerbung. Eine Plakatwerbung kann hochprofessionell und wirksam, die Ideologie der Wahlwerbenden dahinter dennoch verwerflich sein. Im Übrigen gehen wir davon aus, dass niemand aufgrund einer Plakatwerbung sein oder ihr Kreuzerl macht!

Schweigsame Helden

Roman- und Filmfiguren kommunizieren oft viel zu lange viel zu wenig. Das macht Geschichten spannender, aber wir sollten uns daran kein Beispiel nehmen.

Frodo Beutelin kommuniziert recht wenig.Es ist ein fixer Bestandteil vieler Storys: der einsame Held, der alles mit sich selbst ausmacht. Natürlich genauso die Heldin, die aus lauter Rücksicht oder der Überzeugung, sie brauche keine Hilfe, alles in sich hineinfrisst.

Wir, die Leser/innen oder Zuschauer/innen reagieren mit einem Aufatmen, wenn sie es dann endlich schaffen, sich jemandem anzuvertrauen, sei es, um ihre geheime Identitäten zu enthüllen, ihre Geheimnisse zu verraten oder ihre Liebe zu gestehen. Davor möchte man in den Fernseher rufen: „Redet doch endlich! Sprecht darüber!“

Kommuniziert!

Frodo glaubt die längste Zeit, alles mit sich allein ausmachen zu müssen, obwohl er mit Sam die verständnisvollste Person von Mittelelerde an seiner Seite hat. Harry Potter verheimlicht seinen Freunden Ron und Hermine in fast jedem Band und Film aufs Neue, wie es wirklich um ihn steht, und die Serie Friends hätte vermutlich keine zweite Staffel erlebt, wenn Ross und Rachel endlich einmal ehrlich zueinander gewesen wären.

Filme und natürlich schon viel länger Bücher leben vom Aufbau der Spannung, vom Ausreizen der Zuschauergeduld und dem Hinauszögern des Moments der Offenbarung. Kommt dieser Moment und damit die Wahrheit endlich ans Licht, neigen sich Film oder Buch meist dem Ende zu.

Wir sind im echten Leben. Wir müssen keine Sendezeit füllen und sind nicht für die Spannung beim Publikum zuständig. Wir sind keine Superhelden. Oder vielleicht doch – aber nicht, weil wir Dinge in uns hineinfressen. Im Gegenteil! Vielleicht werden wir im Alltag zu Superhelden, wenn wir gerade das nicht tun!

Kommunizieren kann man lernen. Hier!

Vertrauen in die eigene Stärke

Wie mich das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten durch eine Einschlafkrise geführt hat.

Ich weiß noch genau, wann es anfing. Es ist über zehn Jahre her, ich übernachtete am Tag vor einem Schreibseminar in einem kleinen bayrischen Ort. Als ich kurz vor Mitternacht im Hotelzimmer das Buch zur Seite legte und das Nachtlicht abdrehte, begannen meine Gedanken zu kreisen. Nichts, was ich nicht kannte, allerdings hörte es diesmal nicht auf. Irgendwann begann ich zu schwitzen und langsam keimte ob der fehlenden Nachtruhe Panik auf; mein Herz raste, Ideen, Erinnerungen und Bedenken jagten einander, dazwischen immer wieder der Blick auf die Uhr – 1.30, 2.00, 2.30 und gegen die Vernunft das Rechnen, wie viel Schlaf noch bleibt, wenn, ja, wenn der sich endlich einstellte. Irgendwann muss ich dann doch eingeschlafen sein, ich glaube mich zu erinnern, dass noch etwas mehr als drei Stunden von der Nacht übrigwaren.

Ich erinnere mich weiter, dass es nicht bei dieser einen Nacht blieb. Auch in den folgenden Wochen und Monaten hielt mich irgendetwas vom Schlafen ab. Ich könnte nicht sagen, was – ich durchlebte damals keine besonders belastende oder stressige Zeit. Und irgendwann, etwa ein halbes Jahr später, fand der Spuk plötzlich sein Ende.

Natürlich passiert mir auch heute noch, dass ich wach im Bett liege und irgendwelche Gedanken wälze, anstatt mich für den nächsten Tag zu erholen. Das kennt wohl jede/r. Doch heute dauert so etwas nicht mehr so lange und kommt vor allem nicht mehrere Nächte hintereinander vor.

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

Ich bin sehr dankbar, dass diese Phase ein Ende gefunden hat, und dennoch habe ich in der schwierigen Zeit etwas Wichtiges gelernt: Auch nach solch „kurzen“ Nächten musste ich am nächsten Tag meine Seminare oder Moderationen halten. Und es ging – sogar gut! Natürlich habe ich es am Abend danach gespürt und mehrere Tage hintereinander lässt sich so etwas schwer durchhalten, doch ich weiß heute: Ich kann „performen“, ich kann in der gleichen Qualität einen ganzen Tag lang vor Menschen bestehen, auch wenn ich in der Nacht davor kaum Schlaf hatte. Und dieses Wissen hat mich unglaublich beruhigt. Und diese Einsicht habe ich mir in langen Nächten dann auch in Erinnerung gerufen. Im Endeffekt hat mir diese Erkenntnis und damit das Vertrauen, dass der nächste Tag mit wenig Schlaf zwar anstrengend werden würde, aber bewältigbar ist, geholfen – und vermutlich hat mich genau das aus der Krise wieder herausgeholt.

Story in einem Satz

Funktioniert Storytelling auch für ganz kurze Texte? Ja, hier ist einiges möglich! Wir zeigen anhand einer Hinweistafel, die aus nur vier Wörtern besteht, wie Elemente aus dem Storytelling auch in aller Kürze eine Mini-Story erzeugen.

Immer wieder fragen Kund*innen, die ihre Texte oder Präsentationen mit Geschichten aufpeppen möchten: „Wie umfangreich muss meine Story sein? Brauche ich dazu wirklich Heldinnen oder Helden, die eine 12-stufige Reise absolvieren?“ „Ich will doch“, sagen sie, „keine Romane schreiben und keinen abendfüllenden Spielfilm drehen.“

Die kurze Antwort: Nein, Geschichten müssen nicht immer lang sein. Schließlich muss man nie alle Storytelling-Elemente, die möglich sind, einsetzen.

Die etwas längere Antwort gebe ich anhand einer kleinen Hinweistafel, die allerorts in Wien zu finden ist. Ich möchte mit diesem Beispiel ein wenig Druck rausnehmen und zeigen, wie wenig es braucht, um einer Botschaft Emotion einzuhauchen und sie damit kraftvoll zu vermitteln – auch wenn man dafür nur ein paar Elemente des Storytellings auswählt.

Doch vorweg: Warum erzählen wir überhaupt Geschichten? Um Menschen zu erreichen, um unsere Inhalte oder Botschaften an die Zielgruppe zu bringen – möglichst eindringlich und dauerhaft. Hier helfen Geschichten: Sie bleiben besser in Erinnerung und sprechen im Idealfall auch die Emotionen an, dadurch dringen sie tiefer und schaffen eine ganz andere Ebene des Verständnisses.

Betreten der Rasenfläche verboten. Ein kurzer Text - aber noch lange keine Mini-Story.Nun zu meinem Beispiel: Die Stadt Wien möchte, dass die Menschen öffentliche Rasen nicht betreten, dazu stellt sie Schilder auf. Wir zeigen hier zwei.

Auf dem ersten ist „Betreten der Rasenfläche verboten.“ zu lesen. Es handelt sich also um eine sehr schlichte und direkte Nachricht, dass hier etwas verboten ist, ohne Emotion und ohne Begründung.

Storys funktionieren über Emotionen – die Mini-Story auch

Auf der zweiten Tafel steht folgender Text: „Vorsicht, hier schlafen Blumenzwiebeln!“.

Vorsicht, hier schlafen Blumenzwiebeln! Das erzeugt viel eher eine Mini-Story als die reine Aufforderung.Diese  Tafel dient natürlich dem selben Zweck: Menschen sollen nicht in die Wiese treten. Aber: Es wird eine Begründung mitgeliefert und diese Begründung liefert nicht nur Sinn, sondern sie bietet vor allem eine Identifikationsfläche. „In der Wiese schlafen Blumen.“ Wir wissen, wie es ist zu schlafen und auch wir werden dabei nicht gerne geweckt! Die Blumenzwiebeln verwandeln sich in Akteurinnen (bzw. Protagonistinnen oder Heldinnen), die etwas tun, nämlich: Sie schlafen. Dabei wollen wir sie nicht stören. Indem wir den Rasen umrunden, helfen wir ihnen dabei, wir werden sozusagen ihre Mentor*innen. Damit halten wir das Böse in Schach, das wäre das Aufwachen. Damit ist das Grundgerüst für eine minimale Geschichte gelegt – und sie wirkt.

Nicht zuletzt dadurch, dass Gefühle und vor allem auch Bedürfnisse hineinspielen – die der Blumen nach Schutz und Erholung, aber auch unsere eigenen, etwa jenes nach Beitragen oder Sinn. Und all das mit so wenigen Wörtern. Wie viel eingängiger und nahbarer ist doch das Schild, das durch das Bild der schlafenden Blumenzwiebeln eine Mini-Story erzeugt, gegenüber jenem Verbot, das nur auf Autorität setzt!

Wenn Sie mehr zu Storytelling erfahren möchten, unterstützen wir Sie gern mit Fachcoachings oder Seminaren in Ihrem Unternehmen.

Mehr Blog-Beiträge zum Thema Storytelling finden Sie hier:

Produktstory: Lernen von Fisherman’s Friend

Wie lange muss eine Story sein?

Stilvolle Storys statt gehaltlose G’schichteln

Kein Streit trotz unterschiedlicher Stimmungen

Krachen Stimmungen  aneinander, sind oft dahinterliegende Bedürfnisse zu unterschiedlich. Wie lässt sich in solchen Situationen Streit vermeiden?

Mit den Koffern kommt auch viel Außenstimmunge ins Haus.Was für ein Seminar! Der Startrainer kehrt nach Hause zurück. Im Kopf und Gepäck das euphorische Feedback von 12 Teilnehmer*innen. Natürlich wird es einen Folgeworkshop geben. Und Spaß hatten wir! Gut, die Nacht zwischen den beiden Seminartagen war ein wenig kurz ausgefallen, aber wenn die Stimmung passt, lassen sich Schlafdefizit und Kopfweh gut wegzustecken. So komme ich nach Hause. Kaum sind die Koffer abgestellt, beginne ich zu erzählen. Ach was, erzählen – es sprudelt aus mir heraus. Ich will meine Frau und Partnerin teilhaben lassen und sie anstecken. Es ist ja nicht nur mein Erfolg, es ist der von WORT & WEISE – also von uns beiden.

Zwei Menschen – zwei Stimmungen

Doch sie schaut nur müde und scheint sich überhaupt nicht zu freuen. Irgendwann kommt sie zu Wort, erwähnt, ein Sohn hätte Zoff mit einem Freund, mit dem Hund hätte sie zum Tierarzt fahren müssen und, ach ja, die Heizung mache schon wieder Probleme. Sie sei in der Zwischenzeit überhaupt nicht dazu gekommen, die Angebote zu schreiben, die sie sich vorgenommen hatte. Ja, okay, blöd, ich war halt nicht da, ich bringe mich jetzt ohnedies ein, aber sie könnte sich ja dennoch freuen oder ein bisschen mitfeiern. In kurzer Zeit ist meine Euphorie verflogen, es bleibt das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden.

So etwas kann passieren. So etwas ist uns passiert – und zwar in beide Richtungen. Auch Elisabeth ist schon endorphingeladen, laut und randvoll mit Außenwelt bei der Tür hereingekommen – und auf das personifizierte Gegenteil gestoßen. Weil ich vielleicht gerade mit Alltäglichkeiten eingedeckt war, in einer leisen Stimme der Häuslichkeit steckte und das hohe Energielevel als aggressiv empfand.

Verschiedene Stimmungen als Konfliktursache, das gibt es in privaten Paarbeziehungen, in beruflichen Beziehungen und selbstverständlich auch, wenn man als privates Paar zusätzlich beruflich zusammenarbeitet. Schnell fühlt sich ein Part unverstanden, nicht gehört oder überrollt. Und doch sind wir diesem Aufeinanderkrachen von Stimmungen nicht hilflos ausgeliefert, und doch können wir den dreohenden Streit vermeiden.

Unterschiedlichen Bedürfnissen auf den Grund gehen

Wir können solche Konflikte mit ein wenig Erfahrung vorhersehen und entsprechend reagieren. Zwei Menschen erleben verschiedene Dinge und treffen dann mit entsprechend unterschiedlichen Gefühlen aufeinander, das ist in Ordnung. Die Gefühle der einen Person und auch das andere Energielevel, die Lautstärke oder das Tempo sind kein Angriff auf die andere Person. Wir müssen es nicht auf uns beziehen. Wir können uns in Erinnerung rufen, dass wir gerade in verschiedenen Welten unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben. Wir können jeder und jede feststellen und damit auch aussprechen, dass wir gerade beide jeweils woanders stehen und unterschiedliche Bedürfnisse haben.

Auch wenn beide gerade ihre Realität mit dem anderen teilen würden: Offenbar braucht gerade jede*r etwas anderes. Was wir brauchen, dessen sollten wir versuchen, uns bewusst zu werden. Ist es Ruhe? Ist es Austausch – aber zu einer anderen Zeit? Dann können wir auch sagen, was wir brauchen. Im Idealfall äußern wir das in einer positiv formulierten, freundlichen, aber klaren Bitte – die der andere auch erfüllen kann.

Wir können kurz innehalten und uns fragen, was denn der andere gerade braucht – oder ihn bzw. sie selbst fragen. Wichtig ist dabei, ein Dialogfeld zu öffnen, das frei von Schuldzuweisungen bleibt – und dem Gegenüber zuzuhören und dessen Stimmung wahrzunehmen. Wir können darauf achten, beiden Beteiligten Raum zu geben und damit Streit vermeiden. Wenn beide diesen Raum bekommen, sei es durch Zeit, Ruhe oder ein offenes Ohr, dann ist Begegnung auch aus verschiedenen Wahrnehmungswelten und in verschiedenen Stimmungen leichter möglich – sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld.

Suchen Sie auch nach den richtigen Worten? Kommen Sie zu einem Kommunikationstraining von WORT & WEISE oder zum Kommunikations-Coaching für Einzelpersonen!

 

Paralleles Denken: Walt-Disney-Methode und PMI

Kreative Prozesse scheitern mitunter, weil die einzelnen Teammitglieder oder die verschiedenen eigenen inneren Anteile allzu unterschiedliche Positionen einnehmen. Hier hilft das sogenannten Parallele Denken und Techniken wie die Walt-Disney-Methode oder PMI.

Mickey Mouse zweifelt„Tatsächlich gab es drei Walts“, schrieb einst der NLP-Pionier Robert B. Dilts über Walt Disney, „den Träumer, den Realisten und den Spielverderber.“ Dieses Zitat und die Geschichte, Walt Disney hätte beim Wälzen neuer Ideen auf drei verschiedenen Stühlen oder gar in drei unterschiedlich gestalteten Räumen Platz genommen, ist die Basis für eine der populärsten Kreativitätstechniken: die Walt-Disney-Methode.

Bevor wir uns ihr und einer verwandten Methode widmen, wollen wir uns aber noch schnell ein wichtiges Denkprinzip ansehen: das Parallele Denken. Stellen wir uns ein Team von drei Personen vor, die sehr verschieden ticken. Da ist eine, wir nennen sie Sibylle, die sprüht vor Ideen und Visionen, ihre Kreativität ist kaum zu bändigen, sie spricht schnell und Hinweise auf die Machbarkeit ihrer Vorschläge wischt sie gerne weg. Dann haben wir eine zweite Person, sie soll hier Wolfgang heißen: Er ist der Typ IT, er ist sehr strukturiert und interessiert sich vor allem dafür, was umsetzbar ist. Und die dritte Person, Bernadette, hat ein gutes Gespür dafür, wo etwas scheitern könnte, sie äußert gerne ihre Ängste und Bedenken – mitunter nervt sie die anderen damit.

Diskussion über Haltungen statt über die Sache

Wenn Sibylle, Wolfgang und Bernadette über ein Problem oder eine Idee diskutieren, kommen sie schwer zusammen. So unterschiedlich, wie sie ticken, geht es oft gar nicht mehr um die Sache. Das Argument von A wird sofort von der Gegenrede durch B ausgebremst:

Gegen einander denken

Wie hilfreiches wäre es da, wenn sich alle gemeinsam und hintereinander die jeweiligen Positionen ansehen und die verschiedenen Perspektiven einnehmen könnten? Wenn alle Personen in die Richtung von A dächten und dann alle die Perspektive von B einnähmen? Dann sähe das bei zwei Personen so aus:

Paralleles Denken geht natürlich auch zu dritt. Das Geniale daran: Wolfgang und Bernadette werden sich leichter auf Sibylles „Spinnereien“ einlassen, wenn sie wissen, dass ihre Positionen auch noch drankommen. Und wer weiß, vielleicht finden sie Gefallen an dieser Betrachtungsebene und ändern ihre Meinung. Dasselbe kann natürlich auch passieren, wenn Sibylle und Bernadette Wolfgangs nüchterne Welt betreten, oder Sibylle und Wolfgang gemeinsam mit Bernadette die Schwächen einer Idee suchen.

Und genau das nannte der britischer Kreativitätsexperte Edward de Bono Paralleles Denken. Der Vorteil: Es hilft, andere Positionen zu verstehen, fördert die Toleranz und vermindert Reibungsverluste.

6 DenkhüteUnd nun zu den Methoden, die mit dem kreativen Ansatz des Parallelen Denkens arbeiten. De Bono selbst hatte dazu zwei Techniken entwickelt: die Sechs Denkhüte und die Methode PMI. Die Sechs Denkhüte sind mit sechs Positionen in drei Gegensatzpaaren doch etwas komplexer und verlangen eine Moderation, daher möchte ich hier PMI vorstellen.

Plus-Minus-Interessant

Es ist eine simple Methode zur genaueren Betrachtung eines Vorschlags oder einer neuen Idee, die man in einem kleinen bis mittelgroßen Team durchführen kann. Es braucht lediglich ein Flipchart mit drei Spalten, über denen Plus, Minus und Interessant steht. Nun denkt das gesamte Team ein paar Minuten nur über die Vorteile der Idee oder des Vorschlages nach, sie kommen alle in Spalte eins. Dann widmen sich alle der Minus-Spalte. Was spricht gegen die Idee? Welche Probleme fallen dem Team ein? Und schließlich denken alle drei vor der dritten Spalte über Aspekte nach, die weder Plus noch Minus sind. De Bono hat hier die Frage vorgeschlagen: „Es wäre interessant zu wissen, ob …“

Nichts spricht dagegen, danach noch eine Runde durch die verschiedenen Positionen zu drehen, wichtig ist nur, dass wirklich alle gemeinsam immer eine Denkrichtung einnehmen. Am Ende haben wir eine sehr klare Aufteilung der Vor- und Nachteile und eine gute Grundlage zur Weiterarbeit.

Walt-Disney-Methode

Ganz ähnlich und noch näher an unseren idealtypischen Charakteren von Sibylle, Wolfgang und Bernadette ist die Methode, die nach Walt Disney selbst benannt wurde. Wir haben drei Positionen: den Träumer (Donald Duck statt Bernadette), den Realisierer (Tick, Trick und Track statt Wolfgang) und den Kritiker (Micky Maus statt Bernadette). Diese Positionen bekommen Orte zugeteilt, seien es Ecken in einem großen Raum oder Tische mit Flipcharts. Es ist wichtig, dass das Team auch wirklich physisch den Ort wechTrick, Trick und Track als Realisiererselt und damit eine Denkzäsur schafft. Auch hier wieder nehmen wir abwechselnd und gemeinsam die jeweilige Position ein. Wir fangen mit dem Träumer an und klappern die verschiedenen Positionen ab, das Ganze in mehreren Durchgängen, weil jede Sichtweise den vorigen antworten kann.

Mickey Mouse als KritikerÜbrigens kann diese Methode natürlich auch eine einzelne Person einsetzen, um all ihren inneren Anteilen oder Teammitgliedern Gehör zu verschaffen. Die Regeln sind dieselben, eventuell erfordert es noch ein wenig mehr Disziplin von der Einzelperson.

Am Ende sind alle Perspektiven eingenommen und alle Teilnehmer*innen gehört worden. Beide Methoden, PMI und Walt Disney, garantieren, dass eine Einzelperson oder ein Team ein Problem oder eine Idee wirklich multiperspektivisch betrachtet und daraus die richtigen Schlüsse zieht.

Wenn Sie Methoden dieser Art mit Ihrem Team anwenden wollen, buchen Sie ein Inhouse-Seminar  für Ihre Organisation oder Ihr Unternehmen mit uns.

Wenn Sie Kreativitätstechniken alleine durchführen möchten, erarbeiten wir mit Ihnen gern Lösungen mit passenden Methoden in einem Fachcoaching.

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