Authentisch Schreiben: unsere fünf Sinne als Antwort auf die KI

Last Updated on 16. Oktober 2026 by Roman Kellner

Wir können hören, sehen, riechen, schmecken und spüren. Das haben wir der KI voraus. Eine praktische Übung zum authentischen Schreiben.

Ein zerknülltes Papier und fünf Sinne: der Weg zum "authentisch Schreiben"Die Künstliche Intelligenz, die da gefühlt gestern in unser aller Leben eingebrochen ist, beschäftigt uns tagtäglich. Verändert sie doch die Welt in atemberaubendem Tempo und schafft Situationen, mit denen wir als Menschheit keine Erfahrung haben und die uns an existenzielle Abgründe führt. Auch im beruflichen Kontext als WORT & WEISE stellt sie uns vor viele Herausforderungen – weil wir Kommunikation vermitteln und uns fragen, was wir der KI noch voraushaben und was es zum Beispiel heißt, im Jahr 2026 Texte zu schreiben.

Die KI kann – zielsichere Prompts vorausgesetzt – richtig gut schreiben: Ihr steht ein Wissen zur Verfügung, das die Encyclopaedia Britannica zum Pixi-Buch degradiert, sie bringt eine bessere Struktur in einen Text als Marie Kondo in einen Schlafzimmerschrank und sie beherrscht die Rechtschreibung besser als Bastian Sick.
Aber: Ihre Texte sind nicht authentisch. Sie können sich Texte schreiben lassen und je genauer Sie prompten, desto zufriedenstellender wird das Ergebnis sein. Und dennoch wird es nie, nie, nie Ihr Text sein. Wir leiten in unseren Seminaren in Unternehmen, Organisationen oder auf der FH gerne folgende Übung an, um zu zeigen, was wir mit „authentisch schreiben“ meinen. Probieren Sie es doch auch gleich aus!

Nutzen, was wir der KI vorraus haben

Nehmen Sie ein A4-Blatt Papier und stellen Sie auf irgendeinem Gerät einen Countdown oder Alarm für eine Zeitspanne von zehn Minuten ein.

Nun zerknüllen Sie das Papier und notieren Sie:

  • Was können Sie dabei hören?
  • Was sehen Sie?
  • Was können Sie riechen?
  • Was schmecken Sie? (Ja, kosten Sie das Papier, Sie müssen es ja nicht gleich aufessen.)
  • Was spüren Sie, wenn Sie das Papier zerknüllen oder es in der Hand halten?

Geben Sie sich nicht mit dem ersten, was Ihnen einfällt, zufrieden. Dass Papier „raschelt“, liegt auf der Hand, das wird auch das erste sein, was die KI Ihnen anbietet. Notieren Sie es ruhig, aber jetzt graben Sie tiefer. Was kommt noch? Sammeln Sie Begriffe, Fragmente und Sätze.

  • Woran erinnert es Sie?
  • Welche Assoziationen haben Sie?
  • Welche Gefühle wecken die unterschiedlichen Sinneseindrücke?

Wenn Sie Ihr Inneres lang genug erforschen, dringen Sie zu Ihren ganz eigenen Assoziationen und Erinnerungen durch. Und das ist es, was Ihre Texte von KI-Texten unterscheidet, das ist es, was authentisches Schreiben ausmacht. Künstliche Intelligenz kann texten, aber sie kann nichts sinnlich wahrnehmen. Die Kombination aus den beiden ist uns Menschen vorbehalten. Noch.

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