
Es macht resilient, es führt zu mehr Qualität, es verteilt die Verantwortung auf vier Schultern. Aber neben vielen Vorteilen beinhaltet Co-Leadership auch einige Stolperfallen. Was also braucht es, damit das Aufteilen einer Leitungsfunktion klappt?
„Fünfzig Prozent unseres Erfolges führen wir darauf zurück, dass wir die Geschäftsführung in einem Job-Sharing-Modell teilen“, sagt Manuela Vollmann, die gemeinsam mit Daniela Schallert ABZ*Austria leitet.
„Es ist ein gutes Modell, damit Jüngere in Führungspositionen gehen“, ergänzt Aurélie Tournan, langjährige Co-Geschäftsführerin von Amnesty International in Österreich.
Und Thomas Wagner, der sich mit seinem Cousin die Geschäftsführung von Falke Media teilt, schwärmt ebenfalls vom Modell der Doppelspitze: „Man prüft Entscheidungen stärker und sie haben eine höhere Qualität.“
Die Praxis zeigt also: Führung zu zweit kann wunderbar funktionieren. Ganz von allein geht es allerdings nicht. Dahinter steckt Arbeit. Entscheidend sind dabei neben der Fähigkeit zur Selbstreflexion ein paar zentrale Faktoren:
Unterschiede erkennen und bewusst nutzen
Viele erfolgreiche Tandems profitieren davon, dass sie unterschiedlich sind. „Wir bringen verschiedene Sichtweisen und Lösungsansätze mit“, erklärt etwa Matthias Wagner. Eine Vielfalt an Zugängen, Wissen und Erfahrung erhöht die Qualität. Wichtig ist allerdings zu wissen, wo und wie man diese Unterschiedlichkeit nützt, und auch andere Zugänge als den eigenen zuzulassen.
Gemeinsame Basis finden
Bei aller Unterschiedlichkeit braucht es Dinge, in denen sich ein Topsharing-Team findet: Unabdingbar sind gemeinsame Ziele, ein kompatibles Wertesystem und ein gemeinsames Führungsverständnis. Die Geschäftsführer von Vaning stellten etwa begeistert fest, „dass wir die gleiche Art von Arbeitgeber sein wollten. Das ist wirklich ident!“
Auch wenn Unterschiede in der Arbeitsweise hilfreich sind – in der Haltung muss das Duo kongruent sein. Ohne gemeinsame Visionen und Werthaltungen zu finden oder zu entwickeln, bevor man sich an eine Co-Leadership-Aufgabe wagt, wird die Doppelspitze scheitern.
Vertrauen als Ressource
Vertrauen ist die Basis für gemeinsames Führen. Wer davon ausgeht, dass der oder die andere immer sein Bestes gibt, verschwendet keine Ressourcen für Kontrolle. Einander mit Wohlwollen zu begegnen ist nicht nur eine wichtige Qualität im Umgang mit Mitarbeitenden, sondern auch im Umgang mit der anderen Führungshälfte.
Miteinander reden – regelmäßig!
„Es geht einfach um Kommunikation“, sagt das Leitungsduo der Künstlergruppe Jonglissimo.
Klingt banal, ist es aber nicht. Gern wird nämlich übersehen, dass auch ein Miniteam eigene Kanäle, Zeit und Raum braucht, um den Austausch zu fördern. Ob es um das Entwickeln von Visionen, das Klären von Zielen, das Finden von Ideen oder das Ansprechen von Irritationen geht: Es braucht regelmäßige Meetings und Reflexionsräume dafür.
Berücksichtigt ein Führungsduo – oder auch ein Führungstrio – all diese Faktoren, ist die Chance hoch, dass es in den Genuss der vielen Vorteile geteilter Verantwortung kommt.
Wie man die gemeinsame Arbeit gut aufsetzt und begleitet, haben wir uns in Zweierteams. So gelingt Jobsharing und das Arbeiten zu zweit näher angesehen. 12 Jobsharing-Duos erzählen von ihren Best Practices, dazu gibt es Kapitel zu den einzelnen Erfolgsfaktoren sowie viele Übungen, die Top- und Jobsharing gelingen lassen.



