Wie eine bedürfnisorientierte Perspektive Konflikte reduziert – und den eigenen Handlungsspielraum erweitert
Kennen Sie das? Es gibt noch einiges zu tun – und der innere Widerstand ist groß:
„Ich muss diese Woche die Arbeiten korrigieren.“
„Ich muss diesen Monat die Steuererklärung machen.“
„Ich muss heute Abend noch einkaufen.“
Solche Sätze stimmen zwar vielleicht, weil wir diese Dinge weder verschieben noch delegieren können, aber sie belasten uns. Dann fühlen wir uns eingeengt, in unserer Autonomie eingeschränkt: Wir tun etwas, obwohl wir es scheinbar nicht wollen – und leiden darunter. Unsere innere Haltung ist im Widerstand. Sie beeinflusst auch unsere Kommunikation. Und genau hier beginnt im Team oft ein Konflikt.
Verantwortung im Team: Warum Vorwürfe die Zusammenarbeit belasten
In unserem Buch „Zweierteams. So gelingt Jobsharing und das Arbeiten zu zweit“ zeigen wir, welche Faktoren erfolgreiche Zusammenarbeit ausmachen – und woran sie scheitern kann.
Ein häufiger Stolperstein in der Teamkommunikation ist das Verschieben von Verantwortung: „Ich würde ja X, aber weil du Y willst, muss ich jetzt auch Y machen.“
Auf Dauer führt diese Perspektive nicht nur zu eigener Unzufriedenheit, sondern sie vergiftet, selbst wenn sie nicht ausgesprochen wird, die Kommunikation. Der innere Druck baut sich zu Vorwürfen auf, was sich wiederum auf die Verbindung im Team auswirkt.
Die Zusammenarbeit leidet – selbst wenn der Konflikt nie offen ausgesprochen wird.
Die Verantwortung zurück zu sich nehmen
Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen heißt nicht nur, den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern, sondern eine Grundvoraussetzung, um konstruktiv zu kommunizieren. Oft verschieben wir die Verantwortung für unangenehme Aufgaben an eine andere Autorität. Aber was wäre, wenn wir eine eigene Motivation finden, warum wir etwas tun? Was passiert, wenn wir die Perspektive ändern? Wenn wir auf die Frage, warum wir etwas tun, eine Antwort finden, die ganz bei uns liegt?
Statt zu fragen: Wer zwingt mich dazu?, fragen wir: Welches Bedürfnis erfülle ich mir damit?Denn wenn wir etwas tun, wofür wir innerlich vorerst kein Ja spüren, hilft oft ein Blick auf unsere Bedürfnisse – verstanden im Sinn der Gewaltfreien Kommunikation.
Beispiele:
- Mache ich die Steuererklärung, weil „der Staat so böse ist“ –
oder weil ich mir damit das Bedürfnis nach Selbstbestimmung als Selbständige erfülle? - Gehe ich einkaufen, weil „es sonst keiner macht“ –
oder weil ich damit für mich bzw. meine Familie gut sorgen möchte? - Korrigiere ich Arbeiten, weil „die Institution es verlangt“ –
oder weil ich damit zum Lernen und Wachstum der Schüler:innen oder Studierenden beitrage? Oder weil ich für mich für Struktur sorge, wenn ich den Punkt auf meiner Agenda abhaken kann?
Finden wir eine innere Motivation, verschiebt sich Entscheidendes, und die Sache fühlt sich gleich ganz anders an. Die Verantwortung liegt bei uns. Wir entscheiden. Es lohnt sich, dem etwas genauer nachzugehen. Denn damit erweitern wir auch unseren Handlungsspielraum im Team und können konstruktiv kommunizieren.
Bedürfnisse klären – Verbindung stärken: Der Schlüssel zu konstruktiver Kommunikation
Wer seine Bedürfnisse kennt, kann klarer kommunizieren. Und wer klar und bedürfnisorientiert kommuniziert, vermeidet viele Konflikte im Team.
Deshalb widmen wir ins unserem Buch ein ganzes Kapitel dem Thema Bedürfnisse: Wer weiß, was er oder sie wirklich braucht, kann es auch klarer kommunizieren. Diese innere Klarheit verbessert die Zusammenarbeit enorm.
Zur Unterstützung haben wir ein Arbeitsblatt entwickelt, das Sie hier kostenlos herunterladen können. Es eignet sich sowohl zur Einzelarbeit als auch für Zweierteams und kleine, selbstorganisierte Teams ohne Führung.
Drei Reflexionsfragen für bessere Kommunikation
Überprüfen Sie sich mit diesen drei kurzen Fragen selbst:
1. Suche ich Schuld und Verantwortung beim Gegenüber? Oder übernehme ich Verantwortung für mein Handeln und auch meine Gefühle selbst?
2. Was steckt wirklich hinter meinem Widerstand? Was brauche ich wirklich?
3. Wie kann ich mein Anliegen klar formulieren, indem ich etwas über mich aussage und nicht über das Gegenüber (Nicht: Du hast schon wieder … ! Warum kannst du nicht endlich …!, sondern: Damit wir das lösen, brauche ich … )
Wenn Sie tiefer einsteigen möchten: In Zweierteams. So gelingt Jobsharing und das Arbeiten zu zweit zeigen wir anhand von zwölf realen Beispielen und zahlreichen Übungen, wie Kommunikation, Vertrauen und das Finden gemeinsamer Ziele in kleinen Teams gelingen.


